Stücke, Preise, Griechen
Eigentlich sind sie uns sehr nahe, liefert ihre Kultur doch den Gründungsmythos des Abendlandes. Bei Ovid ist zu lesen, der in amourösen Angelegenheiten dauerbereite Zeus habe sich dereinst in einen Stier verwandelt und eine junge Frau entführt, die uns den Namen gibt: Europa, die Tochter des phönizischen Königs Agenor habe gerade am Strand gespielt, als der stierige Zeus angerast kam. Die Söhne, die diesem Gewaltakt entsprangen, hätten dann die ersten Städte Europas gegründet. Heute schwärmen junge Griechen wieder aus.
Sie gründen allerdings keine Städte, sondern suchen Arbeit, weil sie in ihrem Heimatland nicht mehr für ihre Arbeit bezahlt werden.
Das war ein Hintergrund des diesjährigen Heidelberger Stückemarktes, der nach der Türkei und Ägypten dieses Jahr das griechische Theater präsentierte. Wie sich die Staatsschuldenkrise des Landes auf die griechische Theaterlandschaft auswirkt, konnte man während einer Podiumsdiskussion erfahren. Den Nationaltheatern in Athen und Thessaloniki beispielsweise wurden die Zuschüsse um ein Drittel gekürzt, was eine entsprechende Reduktion der Produktionen zur Folge hatte. Schauspieler leben, falls sie überhaupt noch bezahlt werden, von einer ...
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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Magazin: Festival Heidelberg, Seite 69
von Jürgen Berger
Am Ende schmilzt ein Scheinwerfer ein Loch in die Wabenwand, das Wachs tropft, und grelles Außenlicht dringt ins hermetisch verschlossene, gelbgekachelte Bienenstock-Interieur. Bis dahin konnte man darin eine aufgekratzte Gesellschaft von Neurotikern, Gewaltmenschen und feingeistigen Schmarotzern besichtigen, wie sie an unbestimmten Sehnsüchten, realitätsfremden...
So einen Theatervorhang hat das Akademietheater wahrscheinlich noch nie gesehen: Der rote Samt ist über und über mit Dreck verschmiert. Das gilt aber auch für das Kostüm von Salome Pockerl, der rothaarigen Gänsemagd aus Johann Nestroys Posse «Der Talisman» (1840). Eigentlich ist die ganze Bühne (Patrick Bannwart) total versaut, und die Umgangsformen sind auch nicht...
Was Berlin anlangt, so kann man es, wenn man am Hauptbahnhof aussteigt, gleich kennenlernen. Da gibt es nämlich zwei Sachen. An der Nordausfahrt steht – das hat mich immer sehr beeindruckt: ‹Bombardier begrüßt Berlin.›
Und an einer Wand etwas schamhaft in der Ecke auf einer Etage dieses Bahnhofs steht vor Glas und von hinten beleuchtet ein Spruch. So, dass man ihn...
