Auf den zweiten sieht man besser
Am Ende schmilzt ein Scheinwerfer ein Loch in die Wabenwand, das Wachs tropft, und grelles Außenlicht dringt ins hermetisch verschlossene, gelbgekachelte Bienenstock-Interieur. Bis dahin konnte man darin eine aufgekratzte Gesellschaft von Neurotikern, Gewaltmenschen und feingeistigen Schmarotzern besichtigen, wie sie an unbestimmten Sehnsüchten, realitätsfremden Weltentwürfen und Langeweile laborieren und dabei notorisch die grassierende Cholera, das soziale und emotionale Elend in unmittelbarer Nähe übersehen.
Maxim Gorkis vorrevolutionäre Verhaltensstudie «Kinder der Sonne» (verfasst 1905 während einer politischen Inhaftierung des Dichters) bietet ähnlich wie Tschechows luzide Endzeitdiagnosen jede Menge Anschlusspunkte für prekäre Kippsituationen mit ungewissem Ausgang – und Spielfutter sowieso.
Beim Festival «Radikal jung», der seit 2005 jährlich vom Münchner Volkstheater ausgerichteten Plattform für jüngere Regisseure in den ersten Jahren der Professionalität, ist Daniela Löffners Inszenierung aus dem Schauspielhaus Zürich allerdings ein überraschend gediegener Einstieg, großes Schauspielertheater in einem konzentrierten Raumkonzept (Bühne: Claudia Kalinski), das keinerlei ...
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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Festivals, Seite 45
von Silvia Stammen
Das «missing link» zwischen John Cages Geräusch-Musik-Konzepten und dem nun auch schon traditionellen Techno ist endlich als Werk eines Tüftler-Künstlers aus Finnland dargestellt. Der 1935 geborene Martii Mauri begeisterte sich in den frühen sechziger Jahren an seinen Tonbandaufnahmen von russischen Traktorenmotoren, deren Diesel-Ding-Ding-Dong später als Blaupause...
Das zweite Leben auf der Bühne: Suse Wächter spielt mit und durch Suse Wächters Puppen – ein Porträt
Seit 2008 leitet Stefanie Carp das Schauspielprogramm der Wiener Festwochen – eins der größten europäischen Festivals. Ein Gespräch zum Abschied
Wie fühlt man sich als augenscheinlicher Ausländer, wenn man am Tag nach einem Anschlag durch die Straßen der Großstadt...
Kleine Produktion, große Wirkung: Wenn's nach dem Echo in den Feuilletons und dem Diskussionsfuror im «nachtkritik»-Forum geht, dann scheint Stefan Ottenis Handke/Han-Adaption die größte Hervorbringung des Karlsruher Schauspiels in bislang eineinhalb Spielzeiten von Peter Spuhlers Intendanz zu sein. Freilich: Wer einen Sloterdijk-Buchtitel («Du musst dein Leben...
