Standortfaktortuning
An sich eine freundliche Geste, nicht gerade kühn, aber scheinbar unverfänglich: Eine Stadt «proudly presents» freie Tanz- und Theateraufführungen, die in den letzten Jahren entstanden sind, zum Zwecke der «örtlichen Vernetzung» und in Erwartung «überregionaler Aufmerksamkeit».
Wettbewerbsorientiert und marktkompatibel, so wünscht sich – zumindest insgeheim – der Kulturpolitiker «seine» Künstler, und wenn es da an der einen oder anderen Stelle hapert, zeigt man sich schon mal spendabel, um die lokale Produktion offensiv in Stellung zu bringen.
Im Fall des Münchner Tanz- und Theaterfestivals Rodeo bediente man sich dazu einer Initiative des Theatermachers Gert Neuner, der bereits 1990 und wieder 2008 unter dem Label «Starke Stücke» mehr oder weniger auf eigene Faust eine Auswahl frei produzierter Theater-, Tanz- und Performance-Projekte präsentierte. Ein bisschen strukturelle und finanzielle Unterstützung seitens der Stadt wäre für die Weiterentwicklung der Idee allerdings erforderlich gewesen, und spätestens da wollte sich das Kulturreferat naturgemäß lieber selbst in der Rolle des Veranstalters sehen.
Doch in der wohlgemeinten Zielverordnung stecken auch schon die Tücken des ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 70
von Silvia Stammen
Wie sollen wir uns denn heute die Nibelungen vorstellen, diesen ehrpusseligen Burgunder-, beziehungsweise Germanenhaufen mit seinen altdeutschen Sitten und Problemen? Wer darf als erster durch die Domtür? Was bedeuten Männerehre und Treue bis in den Tod? Was ist ein Wortbruch, und wie geht man damit um? Auf eins ist bei Friedrich Hebbel wie Richard Wagner Verlass:...
In Frankfurt gab es im September/Oktober ein großes, gleichwohl weitgehend unbemerktes Projekt. Es war ein weitverzweigtes Gewebe, ein Netz, das von Hanau bis Mainz reichte. Flächenmäßig entspricht das etwa dem Saarland oder auch der Präfektur Tokio, nur dass dort vier Mal so viele Menschen leben wie in der auch nicht gerade menschenleeren Rhein-Main-Region.
Der...
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