Akute Nibelungenentzündung
Wie sollen wir uns denn heute die Nibelungen vorstellen, diesen ehrpusseligen Burgunder-, beziehungsweise Germanenhaufen mit seinen altdeutschen Sitten und Problemen? Wer darf als erster durch die Domtür? Was bedeuten Männerehre und Treue bis in den Tod? Was ist ein Wortbruch, und wie geht man damit um? Auf eins ist bei Friedrich Hebbel wie Richard Wagner Verlass: Besonders kreativ-flexible Zeitgenossen zieren deren Versionen des vielstrapazierten Nationalmythos erst einmal nicht.
Im Berliner Maxim Gorki Theater hat Regisseur Sebastian Nübling eine schnelle, in jeder Hinsicht schlagende Antwort: Das rustikale Schema an Handlungsnormen wird an eine leicht unterbelichtete Straßengang delegiert, vermutlich im mittelschweren Drogenhandel unterwegs, die im großen schwarzen Benz mit wummernder Techno-Mucke (Lars Wittershagen) durch die Gegend kutschiert. Dass sich die nicht mehr ganz jungen Jungs gerne selbst überschätzen und die Geschäfte nicht immer rund laufen, sieht man auf den ersten Blick: Die S-Klasse, die als einziges Requisit raumgreifend mitten auf der Gorki-Bühne (Eva-Maria Bauer) parkt, ist streng genommen ein Totalschaden nach Großkarambolage mit Symbol-Nummernschild B-RD ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Franz Wille
Der am 22. Oktober in Siena gestorbene Komponist Peter Fischer, gebürtiger Leipziger, studierte in Dresden und Berlin bei Fidelio F. Finke, Rudolf Wagner-Regény und Hanns Eisler, assistierte bei Brecht und Paul Dessau am Berliner Ensemble und war von 1952 bis 1961 Leiter der Schauspielmusik am Deutschen Theater, wo er mit Wolfgang Langhoff, Wolfgang Heinz und...
In Frankfurt gab es im September/Oktober ein großes, gleichwohl weitgehend unbemerktes Projekt. Es war ein weitverzweigtes Gewebe, ein Netz, das von Hanau bis Mainz reichte. Flächenmäßig entspricht das etwa dem Saarland oder auch der Präfektur Tokio, nur dass dort vier Mal so viele Menschen leben wie in der auch nicht gerade menschenleeren Rhein-Main-Region.
Der...
Ernsthafte aktionistische Gefahr bestand ja nie, wenn Irina Prosorowa zur Feier ihres 20. Geburtstages ihre Lebenspläne kundtat: «Das Haus verkaufen, mit allem hier Schluss machen, und nach Moskau.» Die Antriebsschwäche, mit der die Gelegenheitstelegrafistin und ihre Schwestern Olga und Mascha seit jeher in der Provinz-Immobilie des verstorbenen Vaters hocken...
