Stadt zum Stück

Volker Schmidt «Die Mountainbiker»

Theater heute - Logo

Als er im Mai den Autorenpreis des Heidel­berger Stückemarkts in Empfang nahm, war er mit seinen glatten Wangen und dem wohlgeordneten Haar noch der Schwarm aller Schwiegermütter. Inzwischen umweht ihn ein Hauch von Grunge, und es sind eindeutig die Töchter der Schwiegermütter gemeint, wenn Volker Schmidt mit Bart und langem Haar auf der Bühne einer Kommune erscheint, die wie die Stadt zum Stück wirkt.

In Heidelberg gibt es eine Ballung der edlen Wohnviertel, die Schmidt in Wien ausfindig machte und in denen ein Jugendlicher wie Thomas dezent orientierungslos durch die Gegend schleichen kann. Ein Flat­rate-Trinker ist der Junge nicht, dafür zeichnet er gern Tote und steigt mit der Innenarchitektin Anna ins Bett, obwohl sie seine Mutter sein könnte und er auch zarte Gefühle für ihre Tochter hegt. 

Anna bekommt ihr Leben nicht mehr in den Griff. Schuld daran könnte der frühe Tod ihres Zweitgeborenen sein. Der Kleine ertrank im Gartenteich. Sie weiß allerdings auch, dass ihr Gynäkologengatte Manfred ein Ver­hältnis mit Franziska, der Mutter von Thomas, hat. Die ist Filmaustatterin und kuschelt seit neuestem auch mit dem Werbefilmer Albert, der ihr blöde Feigwarzen verpasst hat, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2008
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Jürgen Berger

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Vorbilder hat man immer»

Franz Wille Herr Hübner, Sie haben es mit Ihrem Stück «Ehrensache» bis vors Bundesverfassungsgericht gebracht. Was ist das für ein Gefühl?

Lutz Hübner Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Dass es eine solche Lawine wird, war ja vor zwei Jahren, als es losging, noch nicht abzusehen. Ich brauchte auch Zeit, um zu verstehen, dass es überhaupt ein Fall für die Justiz...

Die Lindenstrasse vom Alsergrund

Das Schauspielhaus liegt in Wien-Alsergrund, also mitten in Dodererland. Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer (1896–1966) hat den neunten Bezirk mit seinem Roman «Die Strudlhofstiege» (1951) in die Literaturgeschichte eingeschrieben. Und das Schauspielhaus in der Porzellangasse befindet sich mitten am Schauplatz: Melzer, der Held des Romans, wohnte ein...

Prophetische Höllenfahrt

Eine Uraufführung mit mehr als 40 Jahren Verspätung – was kann das bringen? Einiges. Etwa wenn das Stück sich durch die Verzögerung als prophetisch erweist. Peter Weiss schildert in seinem 1964 verfassten «Inferno» die Rückkehr des Dichters Dante aus dem Exil in seine zum Wirtschaftswunderland gewordene Heimat, wo man ihn in das fortschrittsgläubige System aus...