Prophetische Höllenfahrt

Peter Weiss «Inferno»

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Eine Uraufführung mit mehr als 40 Jahren Verspätung – was kann das bringen? Einiges. Etwa wenn das Stück sich durch die Verzögerung als prophetisch erweist. Peter Weiss schildert in seinem 1964 verfassten «Inferno» die Rückkehr des Dichters Dante aus dem Exil in seine zum Wirtschaftswunderland gewordene Heimat, wo man ihn in das fortschrittsgläubige System aus Wirtschaft und Kultur einbinden will, um ihn als Kritiker mundtot zu machen.

 

Dantes fassungsloser Blick («Ich sah wie die Bewohner lachend / über die gepflegten Plätze gingen / auf denen gestern noch / die Scheiterhaufen brannten») beruht auf Weiss’ Erfahrungen. Doch Figurenname und Stücktitel weisen über biografische Bezüge hinaus: In einer Trilogie nach Dantes «Göttlicher Komödie» sollte Weiss’ «Inferno», entgegen Dantes Hölle der ewigen Strafe, eine Welt beschreiben, in der die Sünder ewig ohne Strafe weitermachen. Doch der Text blieb nach dem Erfolg der «Paradies»-Bearbeitung «Die Ermittlung» liegen und wurde erst 2003 aus dem Nachlass publiziert. 

Durch die verzögerte Rezeption ist das allegorisierte Gegenwartspanorama zum aufschlussreichen Zeitdokument geworden und kann unbefangener betrachtet werden als zu Zeiten, in ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andreas Jüttner

Vergriffen
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