Frau als Strafe

Justine del Corte «Die Ratte»

Theater heute - Logo

Frauen sind manchmal auch nur die besseren Männer: Die Haken, welche Justine del Corte dem Geschlecht der Töchter verpasst, tragen einen sexistischen Punch in sich, den zeitgenössische Dramatiker in der Regel scheuen. Schon der Erfolg von Yasmina Rezas «Der Gott des Gemetzels» legte die Vermutung nahe, dass Mann gerne über sich selbst lacht, so lange die Frauen bloß noch fieser gezeichnet werden. In del Cortes «Die Ratte» geht der KO deshalb OK, weil er unpsychologisch rasch bereits in der ersten Runde passiert – und dann immer wieder von neuem.

Der Krieg der Schwestern Isabell (schwanger) und Maria (unschwanger) profitiert von der überzogenen Komik der Wiederholung.

Was in diesem Stück wirklich auf dem Spiel steht, ist etwas schwieriger zu erraten. Oder «schwieriglicher», wie Marias Freund Nick sagt, mit dem die Deutsche in New York ein nur halb erfolgreiches Leben als Gestalterin führt. Nick (Maik Solbach) trägt metrosexuelle Designerware, tischt Champagner und Weichmachermusik von Moby auf, ist ein überforderter Mediator und demnach Schweizer, was in Zürich für einige Lacher gut ist (auch wenn seine Fallfehler besser recherchiert sind als das «schwieriglich»). Doch man versteht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Vorbilder hat man immer»

Franz Wille Herr Hübner, Sie haben es mit Ihrem Stück «Ehrensache» bis vors Bundesverfassungsgericht gebracht. Was ist das für ein Gefühl?

Lutz Hübner Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Dass es eine solche Lawine wird, war ja vor zwei Jahren, als es losging, noch nicht abzusehen. Ich brauchte auch Zeit, um zu verstehen, dass es überhaupt ein Fall für die Justiz...

Prophetische Höllenfahrt

Eine Uraufführung mit mehr als 40 Jahren Verspätung – was kann das bringen? Einiges. Etwa wenn das Stück sich durch die Verzögerung als prophetisch erweist. Peter Weiss schildert in seinem 1964 verfassten «Inferno» die Rückkehr des Dichters Dante aus dem Exil in seine zum Wirtschaftswunderland gewordene Heimat, wo man ihn in das fortschrittsgläubige System aus...

Aah-triden-Arie

Ein bisschen Oper muss sein. Mit Mozart und Cage hat Chefregisseur Ludger Engels am Theater Aachen überregional Aufsehen erregt. Im Sprechtheater weniger. Warum also nicht der ziemlich dahinsiechenden zweiten Sparte mal eine erfrischende Klangkur verpassen? Für das annoncierte «Schauspiel-Ereignis der Spielzeit» leiht sich Engels den Sinfonischen Chor vom...