Sinn oder Geld
Eigentlich ein ganz sympathischer Gedanke: Was die Welt im Innersten zusammenhält ist – nichts. Hinter und zwischen den Menschen, Dingen und Verhältnissen regiert kein verborgener Zusammenhang oder sonstige Bestimmungen höherer oder tieferer Art, sondern der reine Zufall. Und wer doch ein bisschen Großstruktur und Zielrichtung braucht, muss äußerst bescheiden ansetzen. Zum Beispiel bei der wenig beruhigenden Erkenntnis, dass sich unser Universum unaufhaltsam ausdehnt, was am Ende nicht gut ausgehen kann. Mit den Worten von Wolfram Lotz: «Wir befinden uns in einer Explosion, ihr Ficker.
» Ein Ende im «Weltraumschrott».
Sein Stück «Einige Nachrichten an das All» (abgedruckt in TH 4/11) dekliniert diesen starken, klaren und einfachen Gedanken mit spielerischer Konsequenz durch. Es beginnt mit wohlkalkulierter Betroffenheitslautstärke und Gefühlsrührsal am Nullpunkt der Christenheit. Krebskranke Kinder performen ein Krippenspiel – und als sie endlich das Kindlein finden, entpuppt es sich als ein bandagiertes Müllbündel. Dieses Motiv führt ein sehr zusammenhangstiftendes Weiterleben, denn zwei Schwerbehinderte, die rundum selbstreflektierenden Bühnenfiguren Lum und Purl Schweitzke, ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 27
von Franz Wille
Wir brauchen Schauspieler, die auf dem Scheiterhaufen brennen wollen und über die Flammen lachen. Antonin Artaud
Woran erkennt man einen großen Künstler, einen großen Schauspieler?
Ein großer Schauspieler gibt und nimmt. Er teilt sich selber mit dem Publikum. Dieses Teilen ist keine Option, es ist eine Notwendigkeit. Der Schauspieler öffnet sich, seinen Körper,...
«Wir haben vielleicht irgendwelche Gräueltaten begangen!», sorgt sich Mistingue (Matthieu Svetchine). Nicht ganz unberechtigt, wenn man unter einem alkoholbedingten Filmriss leidet, neben einem unbekannten, dafür extrem unsympathischen Oberspießer namens Lenglumé (Johannes Kühn) aufwacht und zudem immer mehr Indizien dafür sprechen, dass man am Vorabend eine junge...
Im vorgerückten Alter erinnert man sich gern an glorreiche (Schand-)Taten aus der Jugendzeit, das ist bei Menschen nicht anders als bei Theaterinstitutionen, und so begehen die Münchner Kammerspiele ihre Jubiläumssaison zum hundertjährigen Bestehen mit einer Reihe von Neuinszenierungen seinerzeit mehr oder weniger skandalumwitterter Werke, die das literarische...
