Sinn ist auch nur eine Sucht
Irgendwann Ende der 90er, Anfang der Nuller Jahre war Benjamin von Stuckrad-Barre, dieser deutsche Namenswitz aus Rotenburg an der Wümme, Pastorensohn, Schulversager und Udo-Lindenberg-Fan, tatsächlich ganz oben. Als Spezialist im «Hineinschlawinern» in hippe Locations hatte er es vom pickeligen Oberschüler innerhalb kürzester Zeit zum «Rolling Stone»-Redakteur, Musikproduzenten, Schmidt-Show-Gagschreiber, Bestsellerautor und Talkshow-Dauergast gebracht.
Die jeweiligen Aufenthalte waren immer gerade eben kurz genug, um vorm Auffliegen wegen Inkompetenz, Chaos oder sonstiger Hochstapelei unter heftigem Visitenkarten-Gewedel eben noch den Absprung zur nächsthöheren Berufung zu schaffen.
Da träumt einer den Traum von Großstadt, Ruhm, Erfolg und aufregendem Leben, das immer irgendwo anders ist, erst in Göttingen, dann Hamburg, dann Berlin, Köln, schließlich Zürich oder Hollywood. Und überall, wo er hinkommt, ist es nur genauso piefig und provinziell wie da, wo er losgelaufen ist. Die «Rolling Stone»-Redaktion – ein müder, vertrashter Zwei-Mann-Altherrenbetrieb. Die Schmidt-Show – ein chefhöriger Witzelieferanten-Verein aus lauter kleinen Harald Schmidts. Das legendäre Film- und ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Franz Wille
Müllpartikel, die auf den Pazifikboden sinken, als «echos aus einem leben das niemandem mehr gehört». Erinnerungen als Abfall der Geschichte. Haare, Schuppen, Spucke, Nägel als Abfall des Körpers, als Überschuss. Menschlicher Überschuss als Folge eines auf Wachstum ausgelegten Systems. Produziert der Mensch Müll, um sich als Nicht-Müll zu fühlen? Und braucht er...
Am Ende hat Regisseurin Katie Mitchell doch noch einen Krimi draus gemacht. Denn lange durfte man sich fragen, was es eigentlich mit der mitternächtlichen Party auf sich hat, zu der Julia, die Kunstgeschichtsdozentin, und ihr als Musikproduzent aktiver Gatte Paul Julias neue Uniassistentin Josefine und deren Freund Tilman, einen erfolgreichen Möbelbauer,...
Früher war Liebe bei Peter Turrini eine Kampfansage. Auf einer Müllhalde («Rozznjogd»), im Kaufhaus («Josef und Maria») oder in der Berghütte («Alpenglühen») kamen die seltsamsten Paare zusammen, und immer stellten sie die kleinstmögliche Form von Bandenbildung dar: zwei gegen den Rest der Welt. Das Rentnerpaar aus seinem neuen Stück «Fremdenzimmer» hat seine...
