Hamburg: Das blutige Messer
Am Ende hat Regisseurin Katie Mitchell doch noch einen Krimi draus gemacht. Denn lange durfte man sich fragen, was es eigentlich mit der mitternächtlichen Party auf sich hat, zu der Julia, die Kunstgeschichtsdozentin, und ihr als Musikproduzent aktiver Gatte Paul Julias neue Uniassistentin Josefine und deren Freund Tilman, einen erfolgreichen Möbelbauer, eigentlich geladen haben.
Vorher hatten sich die beiden Gastgeber noch kurz ihre kinderlos erkaltete Ehe vorwurfslaut, aber erstaunlicherweise ohne jeden Akohol um die Ohren gehauen, hatten sich in bester «Wer hat Angst vor Virginia Woolf»-Manier ein paar üble Dialog-Tiefstschläge versetzt und über ihre langweiligen Erfolgsleben lamentiert.
Gleich beim Reinkommen in Julia/Pauls nichtssagend durchschnittsmöbliertes Wohnesszimmer (Bühne Alex Eales) teilen Josefine und Tilman dann lustig mit, dass sie den ganzen Nachmittag tollen Sex hatten. Aber das Thema bleibt irgendwie liegen. Paul macht kurz Tilman an, doch es hebt sich auch nichts. Die beiden Frauen gehen um die Ecke Wein holen, obwohl eigentlich niemand etwas trinken will und alle große Gläser Leitungswasser herunterstürzen. Irgendwann erzählt Julia, dass Josefine ihr ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Franz Wille
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