Silikon überlebt!

Stefan Pucher vertheatert in Zürich Max Frisch: «Homo Faber»

Theater heute - Logo

Frage: Man findet nach einem Flugzeugabsturz fünf Leichen mit Silikonimplantaten, was ist das? Antwort: eine Girlgroup.» Nun ist dies keine Anekdote aus der amerikanischen Bestattungsunternehmer-Serie «Six Feet Under», sondern ein ganz normaler Schweizer Bestattungsunternehmer-Witz und hat eigentlich nicht wahnsinnig viel mit Max Frischs Roman «Homo Faber» von 1957 zu tun. Und schon gar nicht mit Stefan Puchers Inszenierung des «Homo Faber» am Zürcher Schauspielhaus.

Abgesehen vom Flugzeugmotiv und der Gleichschaltung des Menschen, insbesondere der Frau, im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. Und abgesehen von der Crash-Dramaturgie. Denn Stefan Puchers Frisch-Bearbeitung (gemeinsam mit dem Dramaturgen Robert Lehniger), die «Homo Faber»-Welturaufführung, gibt sich zersplittert, verstreut, in Fragmenthaufen wieder zusammengebacken und mit einem Kern, der genauso fremdkörprig daherkommt wie ein unversehrtes Silikonimplantat nach einem Flugzeugabsturz. Was um Himmels Willen ist also geschehen? 

Es war einmal ein Roman, der streckenweise nichts anderes war als ein helvetisches «Heart of Darkness» oder eine helvetische «Lolita», auch ein bisschen ein helvetischer «Mann ohne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Simone Meier

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bücherwand Illyrien

Liebe? Doch wohl eher ein Großmeisterturnier in Wortverdreherei. Wer «Was ihr wollt» in Thomas Braschs Shakespeare-Übersetzung 20 Jahre später wiederliest, findet ein Blitzschach von Sprachzügen, in dem sich qualmende Hirne mit halsbrecherischen Eröffnungen gegenseitig aufs Kreuz legen, einander mitleidlose Matt-Schlachten und Stellungskriege liefern, bis die...

An den Rand gefahren

Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung vom 7. Dezember 2004: «Straßen-Terror von maskierten Jugendlichen. 3 Frauen überfallen – eine verliert ihr Baby». Schauplatz ist, man hat es fast schon geahnt, das Hasenbergl, berüchtigter sozialer Brennpunkt im Münchner Norden. Am nächsten Tag sind die Täter gefasst: sieben Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren,...

Noch kollektivere Kollektive!

Diesen Herbst herrschte in London eine relative New-Writing-Flaute. Außer einer Überraschung kaum ein well written well-written-play in Sicht. Um dem legendär schlechten englischen Wetter gen Jahresende zu entkommen, bot das Londoner Theater stattdessen relativ exotische Ausflugsziele an: die Berge von Theben, eine gute Stube im revolutionären Russland, einen...