An den Rand gefahren
Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung vom 7. Dezember 2004: «Straßen-Terror von maskierten Jugendlichen. 3 Frauen überfallen – eine verliert ihr Baby». Schauplatz ist, man hat es fast schon geahnt, das Hasenbergl, berüchtigter sozialer Brennpunkt im Münchner Norden. Am nächsten Tag sind die Täter gefasst: sieben Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, fünf Deutsche, ein Italiener und ein Albaner, die beim Krampus-Spielen willkürlich auf Passanten eingeprügelt haben.
Dass eines der drei türkischen Mädchen schwanger war, hatte sie nicht davon abgehalten, der jungen Frau mit einer Kette und Stöcken auf den Bauch zu schlagen ...
Da ist sie wieder, diese dumpfe, aus dem Nichts eskalierende Gewalt der Ghettokids, die man eigentlich gern für ein längst überholtes Klischee halten würde. War man doch gerade auf dem besten Weg, Vorurteile abzubauen, sich gegenseitig kennen zu lernen, Hemmschwellen zu überwinden, wie es so schön heißt. Seit Ende Oktober läuft an den Münchner Kammerspielen die Projektreihe «Bunnyhill», eine sozio-theatrale Feldforschung mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wie dem Bunnyhill-Club, der Bunnyhill-Academy, einem gemeinsam von Schauspielern der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn Kalle auftritt, hat die Regie sein Schicksal schon besiegelt: Sein Kopf ist nur noch ein geschwollenes, verbeultes Etwas aus Blut, Wunden und allem, was nach zahllosen Tritten und Schlägen noch übrig bleibt. Mit dem maskenbildnerischen Meisterwerk (Andreas Müller/Franziska Becker) wäre die Geschichte allerdings auch schon zu Ende
erzählt. Ein gutsituierter...
Die multikulturelle Gesellschaft sei gescheitert, tönt es seit der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh durch einen islamistischen Extremisten mit triumphalem Unterton aus konservativen Politikerreden und Zeitungskommentaren. Gemeint ist mit «Multikulti», wie man das Phänomen in genüsslich spöttischer Abkürzung gerne zu nennen pflegt, eine...
Norwegen ist das ideale Land zum Schreiben: Die Dunkelheit, die Einsamkeit und die überwältigende Natur schaffen für Dramatiker inspirierende Bedingungen – denkt man. Auf jeden Fall funktionierte es für Henrik Ibsen 1850 und das nächste Mal 1995 für Jon Fosse, ganz im Sinne des selbstironischen Mythos der Norweger, dass in ihrem Land nur für einen Dramatiker zur...
