Shakespeares gesammelter Sturm (leicht gekürzt)

Shakespeare «Sturm»

Theater heute - Logo

Schon ein Blick auf den Theaterzettel verrät, dass einen in Barbara Freys Inszenierung kein konventioneller «Sturm» erwartet: Der Titel des Stücks hat seinen bestimmten Artikel verloren, und auf der Besetzungsliste finden sich nur drei Schauspieler. Nur Prospero, Ariel und Caliban haben das Massaker der Strichfassung überlebt.

Die Bühne (Bettina Meyer) ist karg dekoriert: Windschief hängen sinnlos ein paar abstrakte schwarze Kulissenteile herum, eine Stange dient dem Luftgeist Ariel zum Auf- und Abtritt, Mittelpunkt des Geschehens ist ein großer (Lesebühnen-) Tisch, auf dem sich Prosperos Bücher stapeln.

Melancholisch und unendlich müde betritt Johann Adam Oest die Szene, zieht eine Königsrobe über, die wie ein verschlissener Bademantel aussieht, setzt sich an den Tisch und macht sich an die Arbeit. Er rezitiert ein herbstliches Shakespeare-Sonett («Die Zeit des Jahres siehst du in mir …»), erklärt kurz die (nicht) auftretenden Personen der Handlung und fasst die Vorgeschichte zusammen. Klar scheint damit erstens, dass dieser Prospero kein gefallener Herzog und kein Zauberer ist, sondern Gott – oder zumindest dessen literarischer Stellvertreter auf Erden: der Autor. Und zweitens: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der kalte Blick ins Herz der Stadt

Einmal macht sie einen Vorhang aus Rauch. Und sie macht das so schön, so langsam und so sinnlich, dass man stracks in den nächsten Tabakladen eilen und alle Regeln und Vorsätze …

Macht man natürlich nicht. Bleibt natürlich sitzen, denn auf der Bühne steht Polina Agurejewa. Ganz allein. Die russische Schauspielerin spielt «Juli», das neue Stück von Iwan Wyrypajew....

Chamäleon ohne Erfolgsrezept

Eine Beschreibung François Ozons beginnt man am Besten mit einem Paradox: Er ist einer der erfolgreichsten französischen Regisseure der letzten zehn Jahre, aber er ist nicht sehr beliebt. Wo sonst Popularität bei einem gewissen Grad von Erfolg sich wie von selbst einstellt, klafft bei Ozon eine Lücke. Der 39-jährige gebürtige Pariser verfügt über keine...

Als die Bilder spielen lernten

Der amerikanische Videokünstler Chris Kondek beliefert das deutschsprachige Theater mit visuellen Reizen und zeigt in seinen interaktiven Lehrstücken, wie man aus dem Geld der Zuschauer eine gute Performance machen kann.

Nicht etwa ein schickes High-Tech-Labor, sondern ein schlichtes Atelier, um nicht zu sagen eine Rumpelkammer im zweiten Stock eines alten...