Als die Bilder spielen lernten
Der amerikanische Videokünstler Chris Kondek beliefert das deutschsprachige Theater mit visuellen Reizen und zeigt in seinen interaktiven Lehrstücken, wie man aus dem Geld der Zuschauer eine gute Performance machen kann.
Nicht etwa ein schickes High-Tech-Labor, sondern ein schlichtes Atelier, um nicht zu sagen eine Rumpelkammer im zweiten Stock eines alten Verwaltungsgebäudes irgendwo im tiefsten Berliner Wedding ist die Bilderschmiede, aus der Theatermacher wie Meg Stuart, Stefan Pucher, René Pollesch oder Jossi Wieler derzeit am liebsten ihren visuellen Stoff beziehen.
Mit Laptop, Kamera und Beamer und vor allem einem riesigen, größtenteils unsichtbaren, weil auf DVD oder Festplatte gespeicherten Materialarchiv entwickelt der Videokünstler Chris Kondek hier seine oft interaktiven, in jedem Fall aber speziell auf die Bedürfnisse des Theaters abgestimmten Loops und Trailer, die dann später in Inszenierungen wie Meg Stuarts «Alibi» oder «Visitors only», in Puchers «Othello» oder zuletzt «Trauer muss Elektra tragen» oder in Jossi Wielers «Bakchen» für Furore oder subtile Irritation sorgen. Bilder, die nicht bloß illustrieren oder bereits Vorhandenes ergänzen, sondern eigene ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 4
von Silvia Stammen
Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll. Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn...
Ariane Mnouchkine hat den gepflegten Realismus des bürgerlichen Theaters seit jeher verachtet – stets zog sie das Spektakel großer Formen und Emotionen der fein ziselierten Bühnenpsychologie des Kammerspiels vor. Entsprechend orientierte sich das opulente Volkstheater des Théâtre du Soleil eher an Zirkusclowns und -artisten als an der Schauspielkunst der...
Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass...
