Geht auch ohne Worte
Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll.
Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn verstecken soll?
Gut, dass die antike Götterwelt und sizilianischer Katholizismus in ihrer Kultfixiertheit ohne viel Federlesen irgendwie parallel gesetzt werden können, weil bei beiden offenbar die Vernunft aus- und die immer sehr praktisch einsetzbare Himmelsmacht einsetzt, haben wir begriffen. Etwa nach der zehnten Minute. Und es war klar, dass Emma Dante, die weltweit gefeierte sizilianische Schauspielerin und Regisseurin, die gerne über «Rhythmus», «Instinkt» und «das Animalische» redet, rechtes Fleisch an den bleichen Knochen der Alkestis sehen wollte. Und dagegen wäre ja auch nichts einzuwenden. Denn bei italienischen Regie-Instinkten, die ins Animalische führen, ist ja schon öfter etwas Gutes herausgekommen, ein Fellini oder Pasolini zum Beispiel.
Emma Dante hingegen haut so richtig drauf auf den malerischen Putz und das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Müller könnte einer jener Menschen sein, die zur Arbeit fahren, die Strecke wie die eigene Hosentasche kennen und kaum noch etwas wahrnehmen. Früh am Morgen sitzt er noch etwas zerstört in der Straßenbahn und hat alles schon tausendmal gesehen. Berührt hat ihn nichts. Passiert ist nie was, sieht man davon ab, dass die eine oder andere Fassade der Mannheimer...
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne. Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard...
Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Theater geht, gehört der 1960 geborene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...
