Schritte ins Verschwinden
Als es nach mehr als vier Stunden «König Lear» im Burgtheater doch noch einmal spannend wurde, war die Premiere gerade zu Ende gegangen. Regisseur Peter Stein kam zum Applaus auf die Bühne, und in dem Moment war Hauptdarsteller Klaus Maria Brandauer auf einmal wie vom Erdboden verschluckt. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat, aber er ward erst wieder gesehen, als Stein die Bühne verlassen hatte.
In einem Interview mit der Wiener Tageszeitung «Die Presse» darauf angesprochen, hat Brandauer der pikanten Szene zwar jeden tieferen Hintergrund abgesprochen («das war reiner Zufall»), aber das ist bei einem Profi wie diesem schwer zu glauben. Wahrscheinlicher ist da schon, dass die anscheinend so innige Theaterfreundschaft der beiden Egomanen bei der fünften gemeinsamen Arbeit in sieben Jahren erste Risse bekommen hat.
Mit dem heuer 70 gewordenen Brandauer und dem sechs Jahre älteren Stein fanden spät, aber doch zwei Bühnentitanen zusammen, die gemeinsam gegen den Rest der Theaterwelt antreten – zwei Einzelkämpfer gegen den ganzen postdramatischen Mumpitz und all die unreifen Regietheatermätzchen. Als Objekte für ihre Demonstrationen der reinen Lehre nimmt sich das Duo mit Vorliebe ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Wolfgang Kralicek
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Meinen sie das wirklich ernst? «Den jungen Regisseur Sarantos Zervoulakos», ist auf der Website des Düsseldorfer Schauspielhauses zu lesen, «reizt es zu überprüfen, ob man heutzutage noch eine Landpartie unter falschem Namen unternehmen muss, um ein Anderer zu sein.»
Nun. Man muss sich ja nicht gleich einen martialischen Avatar erfinden, um als tapferer Krieger...
