Schreckliche Leere
Der 20. Todestag des polnischen Regisseurs, Malers und Theoretikers Tadeusz Kantor am 8. Dezember 2010 wurde wie in allen Jahren davor begangen: In der ulica Kanonicza 5, vor dem Kantor-Archiv, schulterte der Schauspieler Jan Ksiazek einen riesengroßen Rucksack und trug zwei Koffer, die er in der Aufführung von Witkacys «Wasserhuhn» (1967) getragen hatte. Auf einem kleinen Podest verharrte der «Ewige Wanderer» 15 Minuten vollkommen reglos.
In der Mitte der Straße hielten die Zwillinge Leslaw und Waclaw Janicki, zentrale Kantor-Schauspieler, als Chassidim das «Brett der letzten Rettung» hoch. Dieses Brett signalisierte in Kantors Theater die Hoffnung auf eine Wende in der schlimmsten Situation. Die Janicki-Zwillinge trugen einen flachen, breitkrempigen Hut, Schläfenlocken und einen schwarzen Kaftan, ihre Gesichter waren weiß geschminkt. Aus dem Lautsprecher drang das «Lied der ins Gas Gehenden», das Ludmila Ryba als barfüßige Putzfrau in «Hierher kehre ich nicht mehr zurück» (1988) gesungen hatte.
Ritual und Opfer
Tadeusz Kantor, geboren am 6. April 1915 in Wielopole, einem Dorf 150 Kilometer östlich von Krakau, gründete 1955 das Teatr Cricot 2, das in 35 Jahren zehn ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 63
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Wenn diese Zeilen erscheinen, sind sie hoffentlich schon veraltet. Wenn alles gutgeht, ist Mubarak dann abgetreten und meine ägyptischen Freunde sind wieder im Probenraum oder bereiten sich auf das nächste Gastspiel von «Radio Muezzin» – vor. Wenn alles falsch läuft, sitzen sie im Gefängnis oder sind tot, wie einige ihrer Freunde, und «Radio Muezzin» ist wieder...
Einst rief mich eine Frau an, weil ich auch eine Frau bin, ansonsten verband uns nicht viel. Hätten wir ein Bildofon gehabt, hätten wir zur harmonischen Begrüßung unsere Brüste
und Genitalien ICH FRAU DU FRAU HALLO JANE eingeblendet. Sie, Leiterin einer freien Theatergruppe in Marburg – ich, einer der letzten Schriftsteller Stuttgarts, zwischen Café- und...
