Grundlos leben und schreiben
Einst rief mich eine Frau an, weil ich auch eine Frau bin, ansonsten verband uns nicht viel. Hätten wir ein Bildofon gehabt, hätten wir zur harmonischen Begrüßung unsere Brüste
und Genitalien ICH FRAU DU FRAU HALLO JANE eingeblendet. Sie, Leiterin einer freien Theatergruppe in Marburg – ich, einer der letzten Schriftsteller Stuttgarts, zwischen Café- und Schreibtisch, nachdenklich am und über dem Tresen hängend. Die mich anrufende Frau wünschte sich ein Stück für Frauen von Frauen über Frauen.
Eine vage Forderung, in die ein gewiefter Schriftsteller / eine gewiefte Schriftstellerin / jedes Kind BITTE KREUZEN SIE DAS AUF SIE ZUTREFFENDE AN nahezu alle Inhalte einpassen kann. Können auch Männer mitspielen, fragte ich. Ja klar, sagte sie. Gut, sagte ich, dann lass es uns vorerst mal (ich sah in meine Hand, die das Bier hielt) «Bier für Frauen» nennen. Eine langjährige Trink- und Sprachrecherche begann. Am Ende war mir alles egal, auch der Text näherte sich dem großen Egal an. Er versuchte, Gleichheit zu denken, eine Studie der trinkenden Frau heute. EGAL schrieb ich in meinen als Anmerkungen getarnten Befehlen, welche Regieanweisungen überflüssig machen sollen OB FRAUEN ODER MÄNNER, ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Frauen im Theater, Seite 10
von Felicia Zeller
Wenn er dann Solveig trifft, die für den Rest des Stücks eine Weltreise lang auf ihn wartet, wird er gar zum Vergewaltiger. «Und höre nur, wie bös er war:/er peitschte, ach, sein Gretchen gar», möchte man mitfühlend murmeln, wenn der Frankfurter Peer Gynt über das arme Mädchen herfällt, ist im Moment aber noch gefangen vom Überwältigungstheater, mit dem der...
Fast portalbreit und himmelhoch ist die steile Treppe, die Olaf Altmann für Hauptmanns «Die Weber» ins Deutsche Theater getürmt hat. Ein monumentaler Bau in vollkommener Regelmäßigkeit: vier Abteilungen in der Breite, drei in der Höhe, dazwischen zwei kurze Absätze. Ein bisschen sieht sie aus wie eine raumhohe Bücherwand – und so wird sie auch bespielt. Die...
Pina. Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren» – etwas altmodisch Expressives haftet diesem Titel an. Unumwunden pathetisch weltretterhaft hat Wim Wenders seinen Film über die im Sommer vor zwei Jahren verstorbene berühmte deutsche Tanztheaterchoreographin aus Wuppertal und ihr Werk genannt. Das als einen Nachhall von Pina Bauschs ebenfalls recht enigmatischen...
