Nachrichten aus der politischen Gegenwart
Fast portalbreit und himmelhoch ist die steile Treppe, die Olaf Altmann für Hauptmanns «Die Weber» ins Deutsche Theater getürmt hat. Ein monumentaler Bau in vollkommener Regelmäßigkeit: vier Abteilungen in der Breite, drei in der Höhe, dazwischen zwei kurze Absätze. Ein bisschen sieht sie aus wie eine raumhohe Bücherwand – und so wird sie auch bespielt. Die Schauspieler sitzen meist wohlarrangiert in klaren Gruppierungen darauf
wie prächtige Editionen. Sie können sogar sprechen.
Hauptmanns «Die Weber» sind nicht nur eine Legende des Naturalismus, uraufgeführt vor 120 Jahren am selben Ort. Sie sind vor allem die Legende eines politischen Theaters, das durch die genaue Abbildung einer skandalösen Realität die unhaltbaren Zustände vor Augen führt und jeden, der nicht völlig herzlos oder machtkorrumpiert ist, von ihrer Unhaltbarkeit überzeugt. Hauptmann hatte aufwändig recherchiert. Er war mehrmals in die schlesischen Hungergebiete gereist und hatte sich vor allem dort umgesehen, wo die meisten preußischen Beamten nie hinfuhren: in entlegene Hungerdörfer, versprengte Flecken aus halbverfallenen, kaum beheizten Katen, wo unterernährte, notdürftig bekleidete Großfamilien rund um die Uhr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Franz Wille
Als wir in alten Autos Mitte der achtziger Jahre aufbrachen, um das deutsche Stadttheater genauer kennenzulernen, machten wir Station an der berühmten Berliner Schaubühne und sahen drei Schmerzensweiber, die von Moskau träumten. Die Damen waren grandiose Schauspielerinnen, deren elegisches Spiel durch den gekonnten Singsang Sprache zur Arie formte, die weich aus...
Die Wohnung sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. In der Wand klafft ein riesiges Loch, dahinter steht ein Mann mit Golfschläger. Vor der Wand seine Frau, einen Golfball im Mund. Sie: «Du spinnst wohl!» Er: «Das wollte ich nicht.» Blackout. Soweit in voller Länge die kürzeste jener 52 Szenen, aus denen Andrea Breths Minidramencollage «Zwischenfälle» im...
Wie hieß es titelstiftend in dem großen Suhrkamp-Gedichtband, den Katharina Thalbach und Fritz J. Raddatz 2002, ein Jahr nach dem Tod von Thomas Brasch, aus seinem Nachlass herausgegeben haben? «Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer.» Filmemacher Christoph Rüter ist hindurch gegangen mit seinem Porträt «Brasch – Das Wünschen und das Fürchten», das soeben...
