Schnapsdrossel und Turteltauben
Diese Münchner Kammerspiele, wie sie sich in den beiden letzten Produktionen der Spielzeit zeigen, wird Intendant Frank Baumbauer mit Sicherheit nur sehr schweren Herzens verlassen. Mit Luk Percevals Adaption des Fallada-Romans «Kleiner Mann – was nun?» und Herbert Achternbuschs «Susn» (Regie: Thomas Ostermeier) hat das Theater seinem scheidenden Chef zwei wunderbare Geschenke zum Abschied gemacht: Vor allem erschweren ihm hier mit außergewöhnlichen Leistungen diejenigen den Abgang, die Baumbauer in seiner gesamten Münchner Zeit stets am wichtigsten waren – die Schauspieler.
Wer also verlässt schon leichten Herzens ein Ensemble, zu dem zum Beispiel eine Brigitte Hobmeier gehört, die in München als erschreckend an Leib und Seele deformierte Frau triumphiert, als eine so präsente «Susn», die durch ihr lausiges Leben vagabundiert wie eine von Gott Verstoßene, von allen halbwegs guten Geistern Verlassene, von den Menschen Angeekelte? Durch die vier Endstationen ihres Lebens flüstert, bebt, rebelliert, stolpert diese Frau: Hobmeier wandelt sich atemberaubend vom bigott-rotzigen Kindchen zur lächerlich brabbelnden, abgetakelten Schnapsdrossel.
Dieses Älter-und-immer-dürftiger-werden vor ...
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