Randalierst du noch, oder rebellierst du schon?
Man hat es nicht leicht als Kind von 68ern. Wie furchtbar es ist, im Trubel der Zeitläufte weitgehend ignoriert zu werden, musste sich irgendwann in Theaterstücken bemerkbar machen und kam spätestens dann zum Vorschein, als die heute Dreißigjährigen sich dem Phänomen nicht greifbarer Eltern widmeten – zum Beispiel Rebecca Kricheldorf mit der «Legende vom Nadelbaumkiller» oder jetzt Christoph Nußbaumeder, der in «Offene Türen» den guten Menschen Richard Römer ins Rennen schickt.
Römer missionierte mit «Africa Alive» das vom Bürgerkrieg zerrüttete Erithrea, inzwischen allerdings wird er sowohl vom Friedensnobelpreis als auch dem einzigen Sohn heimgesucht. Dass der Papi damals immer für andere da war, den kleinen Marc aber links liegen ließ, hatte Folgen. Zwar ist Marc inzwischen ein erfolgreicher Werbefilmer, den Vater verkraftet hat er aber noch lange nicht. Also kreuzt er ausgerechnet am Vorabend der Nobelpreisverleihung wie der Rächer aller Nicht-Gemeinten in der Villa der Eltern auf und inszeniert ein perfides Spiel.
Zum Szenarium gehört Mutter Evelyn, die bieder wirkt, in Wirklichkeit aber mit allen Wassern gewaschen ist. Zur Stelle ist auch der treusorgende Privatsekretär des ...
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Nur Robert Lepage kann sich so etwas ausdenken: Ein Stück über die menschliche Stimme, das sich zu einer Neun-Stunden-Aufführung über Leben und Welt auswächst – das längste seiner langen Bühnenepen und das ehrgeizigste. (Dass er demnächst an der Met den «Ring» inszeniert, scheint da nur folgerichtig.) Derzeit dauert «Lipsynch» allerdings erst vier Stunden plus zwei...
Nimmt man’s genau und nach Homer, steht vor der glücklichen Wiedervereinigung von Odysseus und Penelope ein großes Schlachten: Odysseus tötet die Freier, die sich während seiner 20-jährigen Kriegs- und Irrfahrten zuhause um seine Frau geschart hatten, und die illoyalen Knechte und Mägde gleich mit. Im Hamburger Malersaal, wo Klaus Schumacher in einem vierstündigen...
Es ist wahrscheinlich eines der aufwändigsten Bilderbücher, die je erschienen sind, ein veritables Stück Buchkunst, das nach den vielen virtuellen Hamletvariationen der letzten Jahre nun auffällig ausdrücklich auf physische Präsenz und Sinnlichkeit setzt: Herbert Fritschs neueste hamlet_X-Darreichung, für die er sich diesmal mit Sabrina Zwach, Dramaturgin und...
