Psychologie auf Umwegen
Nahe am Bühnenrand, nahe am Abgrund stehen sie, diese beiden Verlorenen, ein Mann und eine Frau. Sie krallen sich aneinander, halten sich zugleich auf Distanz. Es ist spät, Mitch, der bullige, harmlos-hoffnungsvolle Kerl mit der bemüht trendigen Rockabilly-Schmalzlocke, und Blanche, dieses zerbrechliche, fast schon zerbrochene Wesen, sprechen im Halbdunkel die letzten Sätze eines ersten verkrampften Rendezvous. Ihre Körper verfallen in ein sanftes, stetes Wippen – erst zur Musik, später in völliger Stille.
Dieses Bild aus «Endstation Sehnsucht» an den Münchner Kammerspielen brennt sich ein, nicht nur weil Jochen Noch und Wiebke Puls geschlagene zwölf Minuten so weiter wippen, als wären sie im ersten Takt eines Tanzes hängen geblieben. Es prägt sich ein, weil diese angespannten Körper so viel mehr erzählen, über Einsamkeit und den hilflosen Wunsch nach Nähe, als die Protagonisten selbst jemals in Worte fassen könnten.
Meister des Understatements
Es folgt der Moment, der das Ende des Traumes unheilvoll andeutet – eine Szene, auf die sich Jochen Noch allabendlich freut: Sie löst sich aus der Umarmung. Er dreht sich zum Publikum, die Arme bleiben ausgebreitet, als würden sie die ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Cornelia Fiedler
Doch, das sieht schon verdammt cool aus: Die Bühne soll ein Altersheim darstellen, wirkt aber dank der Rundum-Vergitterung wie die Hochsicherheitszelle für den Joker im Batman-Film «The Dark Knight». Dementsprechend scheint Mephisto in den Schminktopf von Heath Ledger gefallen zu sein, wenn er pferdefußschlurfend mit punkrockerstrubbeligem Blondschopf über die...
Zwei «Antigone»-Varianten zweier Vertreter verschiedener Generationen und Geschlechts stehen diesen Monat am Start: Friederike Heller inszeniert an der Berliner Schaubühne, Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater. Im Centraltheater Leipzig steigt Sebastian Hartmann mal wieder in Frank Castorfs mythische Fußstapfen und inszeniert Laufs/Jacobys Schwank «Pension...
Die Idee war folgende: Wäre es im Zeichen interkulturellen Engagements nicht nützlich, das deutsche Nationaldrama schlechthin, Goethes «Faust», und zwar selbstverständlich den ganzen, einmal dem prüfenden und forschenden Blick eines Nichtdeutschen und obendrein eines Nichtchristen auszusetzen, der in dem maßlosen Werk vielleicht etwas anderes entdeckt als die...
