Der fremde Blick
Die Idee war folgende: Wäre es im Zeichen interkulturellen Engagements nicht nützlich, das deutsche Nationaldrama schlechthin, Goethes «Faust», und zwar selbstverständlich den ganzen, einmal dem prüfenden und forschenden Blick eines Nichtdeutschen und obendrein eines Nichtchristen auszusetzen, der in dem maßlosen Werk vielleicht etwas anderes entdeckt als die übliche Reibung zwischen einem notorischen Agnostiker (Goethe/Faust) und christlichem Gedankengut? Platz neben Goethe auf dem westöstlichen Diwan nahm der türkische Schauspieler und Regisseur Mahir Günsiray, der seit 1996 in Ist
anbul ein eigenes Theater leitet; ironischerweise schwebt im zweiten Teil des Abends tatsächlich ein blutroter Diwan in einer Kiste vom Schnürboden herab – die Französin Claude Leon hat die Bühne sparsam ausgestattet, der Boden ist mit Mulch bedeckt (der später mit Blut getränkt wird); im ersten Teil sah man die nummerierten Schnürbodenzüge mit einem Waschzuber behängt, einer Laterne, einem Vogelbauer: ein sympathischer Minimalismus.
Günsiray hat ein verblüffendes Konzept. Aus dem schalkhaften Einzelgänger Mephisto macht er ein Teufels-Kollektiv, vier Männer, vier Frauen. Diese Achterbande geht natürlich ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Martin Krumbholz
Im Dezember und Januar sind zwei langjährige Mitarbeiter von «Theater heute» gestorben.
Werner Schulze-Reimpell, ein Urgestein der deutschen Theaterkritik, noch bis vor wenigen Jahren ein unaufgeregter Beobachter jeder wichtigen (und vieler nicht so wichtiger) Premieren, schrieb für viele Blätter, gehörte zu den Mitbegründern des seit 1976 vergebenen Mülheimer...
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am FFT in Düsseldorf erarbeitet. Es geht um Liebe (bzw. Beziehungen), um parlamentarische...
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann sich Viktor Bodó und seine Szputnik Shipping Company, das russische Raumschiff im Namen, Michail Bulgakows Roman «Der Meister und Margarita» zuwenden würden. Für Voland, den handlungsantreibenden Satan, ist Fliegen kein Problem. Als schwarzer Magier landet er im Moskau der 1930er Jahre und bringt durch seine Teufeleien den...
