Produktive Verunsicherung

Susanne Kennedy räumt mit den letzten Gewissheiten unserer Oberflächenexistenz auf und wird dafür heftig gefeiert

Theater heute - Logo

Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das Publikum in Bann schlägt – oder vor den Kopf stößt. Selten, dass eine neue Regiehandschrift auf Anhieb so unverwechselbar erscheint und dabei solche Brisanz erzeugt.

Zuletzt wurde sie gleich zweimal hinterein­ander zum Berliner Theatertreffen eingeladen – mit «Fegefeuer in Ingolstadt» von Marieluise Fleißer und «Warum läuft Herr R. Amok?» nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler (beides Produktionen der Münchner Kammerspiele). Bilder und Atmosphäre gehen einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf, und was beim ersten Sehen eine unbehaglich faszinierende Irritation und bei manchen auch unwillkürliche Abwehr hervorruft, wirkt lange nach und lässt gewohnte Ansichten auf einmal fragwürdig erscheinen.

Da sind zunächst die Räume, die zum einen sehr banal und gleichzeitig in ihrer aseptischen, manchmal mittels ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Akteure, Seite 5
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Die Welt und ihre dramatische Haltigkeit

Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...

Die zweite Geburt

Was passiert eigentlich, wenn das Universum zu einem spricht? Handelt es sich dabei um «eine Art farbiges Muster, als würde ein fremdartiges Bewusstsein Kontakt aufnehmen», verknüpft mit einer sanften Frauenstimme, die der menschlichen Sprache durchaus mächtig ist? Ein «blauer Punkt im Inneren», mit dem freundliche Gespräche möglich sind, in denen das Universum...

Hamburger Stimmungen

Hier regiert ordentlichste Bürgerschrecklichkeit: Die Manuskript-«Reinschrift auf Bütten» ist Frank Castorfs Text- und Verhandlungsgrundlage seiner fünfstündigen Hamburger Hans-Henny-Jahnn-Bewältigung, die die 186 Manuskript-Seiten etwas gestrafft und nur mit minimalen Einschüben zu Gehör bringt. Wobei «Reinschrift auf Bütten» Jahnns Grundspannung schön auf den...