Die zweite Geburt
Was passiert eigentlich, wenn das Universum zu einem spricht? Handelt es sich dabei um «eine Art farbiges Muster, als würde ein fremdartiges Bewusstsein Kontakt aufnehmen», verknüpft mit einer sanften Frauenstimme, die der menschlichen Sprache durchaus mächtig ist? Ein «blauer Punkt im Inneren», mit dem freundliche Gespräche möglich sind, in denen das Universum über so interessante Dinge informiert wie die Bedeutung des Impulses, die Bedeutungslosigkeit von Moral oder auch die Handynummer des richtigen Liebespartners?
Als hätten hundert beschwipste Disney-Autoren das Drehbuch ge
schrieben, tritt das Universum in Iwan Wyrypajews Auftragsstück für das Deutsche Theater Berlin auch noch als Kitsch-Delfin oder multipler Orgasmus auf, oder eben als die titelgebende «unerträglich lange Umarmung»: «Wie als würden Millionen lebende Zellen, die da ‹Ich liebe dich, Charlie› heißen, mit anderen Millionen lebenden Zellen, die ‹Verzeih Emmy, ich liebe meine Frau Monika› heißen, zusammenprasseln.» Die kompromisslose Süße, mit der der 1974 in Irkutsk geborene Theatermacher die Metaphysik ins Leben seiner vier Protagonisten treten lässt, mag mitunter etwas überzuckert erscheinen – doch sie ist nicht ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Eva Behrendt
Nein, dieser Weg ist nicht das Ziel. Eher das Gegenteil, ein zugiger Durchgangsort, an dem jeder, der hier gestrandet ist, so schnell wie möglich weiter will. Man kann das als handfeste Gesellschaftskritik zum Thema Flüchtlingspolitik verstehen oder auch eher poetisch-prinzipiell. «Camino Real», so der Titel von Tennessee Williams’ surrealer Szenenfolge, ist der...
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...
Claus Peymann, Chef des Berliner Ensembles und zuverlässiger Hauptstadt-Entertainer, analysierte vor ein paar Jahren in einem Zeitungsinterview sehr unterhaltsam die deutschsprachige Gegenwartsdramatik: «Die reine Flucht ins Private!», stöhnte der 77-Jährige weitgehend datenungestützt auf, um anschließend messerscharf zu konkretisieren: «Es ist immer das Problem,...
