Plädoyer für das deutsche Stadttheater
Wie soll die Zukunft des Theaters aussehen? Meine Antwort darauf ist: das Stadttheater bewahren – und weiterentwickeln! Es ist noch immer eine Utopie für mich: die Idee einer Versammlung verschiedenster Alters- und Berufsgruppen in ästhetischer Auseinandersetzung mit einer Sache und als Gesellschaft mit sich. Es geht darum, die Frage «wer bin ich, wer sind wir?» immer wieder neu zu stellen, in einem bewegenden, erschütternden, energetischen Austausch mit den Schauspielern auf der Bühne.
Theater und Demokratie wurden nicht zufällig zur selben Zeit im alten Athen erfunden, und Teil dieser Erfindung war das Theater für eine Stadt.
Das heißt nicht, dass ich gegen Projektförderung bin. Sie soll auch und verstärkt stattfinden. Ich finde es falsch, das gegeneinander auszuspielen und eine ideologische Diskussion zu führen. Allerdings bin ich gegen die Umwandlung von Stadttheatern in Produktionshäuser nach niederländischem Vorbild. Wenn ich nach Holland und Belgien blicke, sehe ich vor allem, wie viel Talent kaputtgegangen ist, wie viele Ideen verkümmert sind, weil die Strukturen fehlen, um Zuschauer an das Theater zu binden. Diese Bindung erfolgt immer über die Schauspieler, die Qualität ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 10
von Stephan Kimmig
Am 6. Mai 2013 begann vor dem Oberlandesgericht München der größte Strafprozess seit der Wiedervereinigung: der NSU-Prozess. Mehr als dreizehn Jahre lang konnte die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund unbehelligt quer durch Deutschland
ziehen, Raubüberfälle begehen, Sprengstoffanschläge verüben und zehn Menschen ermorden.
Es ist ein...
Zwei junge Frauen streiten über Politik und Triggertheorie. In Bremen schuften Niedriglohnempfänger in einem Hochregallager, das belegschaftsintern Guantánamo genannt wird. Zeus spricht über den Untergang der Medienkultur. Aus Künstlern werden Journalisten, oder sie machen ein Kunstprojekt im Knast. In «Farbenblinde Arbeit» geht es um unsere Arbeitswelt, die Krise...
Die einzige Kirche, die erleuchtet ist, ist eine, die brennt.»
Dieses Stück ist eine Zumutung. Es beginnt mit einer elend langen Hasstirade, dem Monolog einer alternden Frau, bestehend aus anklagenden Hauptsätzen voller Obszönitäten. Es steigert sich zu einer Aufzählung von Psychopharmaka, die in alphabetischer Reihenfolge ausgespuckt werden. Ein präpubertärer...
