Party nach dem Tod
Am Anfang ist es so schlimm wie am Ende. Oder umgekehrt. Denn indem Anna Bergmann in ihrer Karlsruher Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern» zu Beginn des Abends erstmal den Schluss zeigt – Baron Tusenbach sinkt erschossen nieder –, will sie uns sagen, dass über die ganze nun folgende Geschichte das Urteil längst gefällt ist: Der Untergang ist unausweichlich, und in jeder Szene, ob rückwärts oder vorwärts gedreht, lauert das Unheil. Wo Tschechow den Weltengang noch melancholisch sah, sieht Bergmann zunächst nur schwarz.
Das hätte nun zu einer sehr tristen Angelegenheit werden können. Und kam doch ganz anders. Denn je mehr wir uns dem Ausgangspunkt nähern, desto ausgelassener werden die Menschen. Es ist, als ob sie sich verbissen von den Schreckensmomenten zu den lichteren und leichteren Augenblicken in der Vergangenheit ihrer langweiligen Existenz vorarbeiten.
Schließlich feiern sie eine ausgelassene Party, und man kann es Olga (Ute Baggeröhr), Mascha (Joanna Kitzl) und Irina (Cornelia Gröschel) keinesfalls verdenken, dass sie nun überhaupt nicht mehr nach Moskau wollen, sondern nur noch: «Nach Karlsruhe!» Hier ist wenigstens was los, hier wird auf den Samowar gehauen, die ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Bernd Noack
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