Pappnasenleben
Duftspray duftet, weil der Mensch bisweilen stinkt. Und ein Lustspiel macht sich lustig, weil der Mensch bisweilen stänkert. Nun hat das eine mit dem anderen wenig zu tun, es sei denn, Herbert Fritsch inszeniert den «Geizigen» in Luzern. Der Regisseur lässt das Parkett im Prolog mit einer WC-frisch-verdächtigen Parfümwolke einnebeln. «Viel Spaß», wünscht der Sprayer noch. Danke, davon kriegen wir mehr als genug ab.
Bekanntlich hat sich für Molières Komödie «L’Avare» ein unzutreffender Titel durchgesetzt. Geiz äußert sich bei Harpagon nicht in Enthaltsamkeit.
Sondern im Exzess. In der totalen Raffgier. Folglich verlangt Fritsch von den Figuren den fürchterlichsten Fortissimo-Verhaltenskodex, den sich ein Berliner Volksbühnenmanierist ausmalen konnte. Resultat: die permanente Reizüberflutung. Der Samtvorhang ratscht mit Getöse auf, die Fanfare schmettert, Hofmeister Valère (Jürgen Sarkiss) schwingt blonde Spagettilocken, Tochter Elises Reifrock (darin: Anna Eger) bauscht sich wie ein Lampion. Voilà, les Amoureux Nummer eins und zwo. Ihre Passion erweist sich als exaltiert gymnastisch, man sucht schließlich das Zeitalter der Ballettkomödie heim. Es beult sich Elises ...
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Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Manfred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der...
Entscheidend ist wieder mal die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist. Und in welchem Kontext etwas stattfindet. Also etwa: Wie lange darf ich vor dem Fernseher oder bei ebay abhängen, ohne in den Verdacht zu geraten, dies für abendfüllend zu halten? Oder: Bis zu welchem Alter kann sich ein arbeitsloser Akademiker glaubhaft als freischaffend ausgeben? Und, um etwas...
