Opa erzählt vom Krieg
Man könnte es sich leicht machen. Man könnte konstatieren, dass die Berliner Volksbühne mit Frank Raddatz' «Republik Castorf» im Zustand fortgeschrittener Sentimentalisierung angekommen sei. Und, ja, natürlich ist das sentimental: ein Interviewband, bestehend aus 18 selten analytischen, oft plaudernden, immer affirmativen Gesprächen mit einst und heute wichtigen Protagonisten des Rosa-Luxemburg-Platzes.
Zumal der Erkenntnisgewinn mancher Interviews gegen Null geht.
Bert Neumann war für die Volksbühne weit mehr als ein Ausstattungsleiter, er war der Erfinder einer Ästhetik, unter der sich Castorfs Theater als unversöhnliches Widerstandsnest überhaupt erst sammeln konnte – das ist spätestens seit Neumanns überraschendem Tod im Juli 2015 Allgemeingut. Frank Castorf ist kein Stückezertrümmerer, sondern jemand, der Texte sehr genau liest, um sie dann zu dekonstruieren – das wird niemand bezweifeln, der auch nur eine Castorf-Inszenierung gesehen hat.
Wenn Chris Dercon 2017 als Nachfolger Castorfs die Volksbühnen-Intendanz übernimmt, befürchten praktisch alle Interviewpartner, dass die Widerstandshaltung des Hauses ersatzlos einer geschichtsvergessenen ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Bücher, Seite 58
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Das Theater geht ins Kino mit wackeligen Beinen und einem schicken neuen Anzug. So ließe sich der mediale Transfer beschreiben, den die Verfilmung von Ibsens «Die Wildente» durch Simon Stone betreibt. Der Australier Stone, geboren in Basel und dort Hausregisseur am Theater, wurde für seine Wiener Inszenierung von «John Gabriel Borkman» in diesem Jahr zum...
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