Mut zur Provinz!
Ghorban Moinzadeh ist Schauspieler. Er kommt aus dem Iran und hat dort, als es die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch erlaubten, sogar Brecht gespielt. Das ist lange, sehr lange her. Über 20 Jahre, die er nun schon in Bruchsal verbracht hat. Hier ist er nach seiner Flucht aus der Heimat auch wieder beim Theater gelandet, an der Badischen Landesbühne, und sogar Brecht hat er da schon gespielt. Aber nur noch selten. Wenn er überhaupt mal auf der Bühne in seinem wirklichen Beruf arbeitet, dann sieht man ihn meist in Nebenrollen.
Und das auch nur, wenn es sein Zeitplan erlaubt. Einmal hatte er in Deutschland eine Hauptrolle, da hat man ihn – natürlich – in «Dreck» von Robert Schneider besetzt. Das lag auf der Hand: das orientalische Aussehen, das gebrochene Deutsch, das Fremdsein, das Moinzadeh eigentlich gar nicht spielen musste, weil man ihm das heute immer noch irgendwie ansieht. Aber tatsächlich ist er glücklich hier und längst zuhause, in Bruchsal und an der Landesbühne.
Ghorban Moinzadeh klettert in die Fahrerkabine eines 20-Tonnen-Lkw, zündet sich eine Zigarette an und startet den Motor. Er hat heute eine Strecke von 173 Kilometern vor sich, verkündet ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Fahrendes Volk, Seite 6
von Bernd Noack
Nein, in der Haut dieses Mannes möchte man nicht stecken. Dass der Knecht Nikita das arme Waisenmädchen Marinka hat sitzenlassen, dass er im Verbund mit seiner intriganten Mutter und der Geliebten Anisja deren Mann Petr, seinen einstigen Herrn, vergiftet hat, dass er wiederum Anisja das Erbe entwendet und es mit deren Stieftochter Akulina verprasst hat – all das...
Dieser junge Mann inszeniert das eigene Leben. Ziemlich lange muss er zwar warten zu Beginn, sogar ein paar Mal rausgehen und wieder reinkommen, weil noch nicht passiert, worauf er wartet – dann legt er, endlich, los. Fingerschnipps: Musik. Ob allerdings die Geschichte, die nun beginnt, und zwar mit dem Auftauchen der schönen Olga, tatsächlich die ist, auf die der...
Wie mag es wohl in den abgestorbenen Provinzstädten des Postsozialismus zugehen?
In Tilmann Gerschs deutscher Erstaufführung von Michal Walczaks «Das Bergwerk» lebt
es sich dort wie auf einem heruntergekommenen Rummelplatz. Dafür hat Henrike Engels ein haushohes blinkendes Kirmes-Ungetüm mit gemalten Clowns und Knochenmännern, bunten Glühbirnen und Balustraden auf...
