Denkt an eure Seele!
Nein, in der Haut dieses Mannes möchte man nicht stecken.
Dass der Knecht Nikita das arme Waisenmädchen Marinka hat sitzenlassen, dass er im Verbund mit seiner intriganten Mutter und der Geliebten Anisja deren Mann Petr, seinen einstigen Herrn, vergiftet hat, dass er wiederum Anisja das Erbe entwendet und es mit deren Stieftochter Akulina verprasst hat – all das hat er lange Zeit verdrängen oder anderen in die Schuhe schieben können: Die Frauen sind ihm nachgelaufen, sowas kommt alle Tage vor, was kann man ihm schon vorwerfen? Jetzt aber hat Nikita eine Schwelle überschritten, an der ihn seine Taten nicht mehr loslassen. Er hat sein eigenes, eben erst von Akulina geborenes Kind im Keller zerquetscht und ist außer sich: «Es wimmert! Es wimmert!», jammert er. «Wie seine Knochen geknackt haben unter mir! Krrr … krrr … Was haben sie mit mir gemacht?»
Kriechen, wieseln, wetzen
Dieser Mord und der Schuldhorror, den er hervorruft, gehört zu den grausigsten Szenen der Dramenliteratur. Trotzdem wird Leo Tolstois dramatischer Erstling «Macht der Finsternis» (1886) nur selten gespielt – vielleicht, weil er so überaus religiös und moralisch grundiert ist. Der Matthäus-Vers «Ich aber sage euch: ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Eva Behrendt
Würde man tatsächlich alles umsetzen, was sich an Personal im Stück einfindet, sprengte das jeden Theateretat. Wolfram Lotz lässt nicht nur Hamlet, Bakunin, Prometheus, den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auftreten. Mit dabei sind auch eine Gruppe echter Sozialhilfeempfänger, 21 mongoloide Kinder und 50 Nereïden. Aber...
Sechs Hunde, sechs Menschen, da muss man stark sein, um nicht vor der vierbeinigen Authentizitäts-Offensive auf der Bühne zu kapitulieren und als menschlicher Akteur womöglich in der Herrchen/Frauchen-Rolle steckenzubleiben. Für echte Theatertiere kann die unmittelbare Konkurrenz aber auch Ansporn sein, Instinkt und Intellekt mit animalischer Selbstverständlichkeit...
Dieser junge Mann inszeniert das eigene Leben. Ziemlich lange muss er zwar warten zu Beginn, sogar ein paar Mal rausgehen und wieder reinkommen, weil noch nicht passiert, worauf er wartet – dann legt er, endlich, los. Fingerschnipps: Musik. Ob allerdings die Geschichte, die nun beginnt, und zwar mit dem Auftauchen der schönen Olga, tatsächlich die ist, auf die der...
