Münster: Weiß wie Weißbrot
Ein älteres Ehepaar, unterwegs in Afrika, geht in der Sahelzone der liebsten Sportart deutscher Paare nach: Man streitet ausgiebig. Er ist freischaffender Wissenschaftler und erforscht schwarze Löcher, sie begleitet ihn, geht aber davon aus, sie würden Urlaub machen. In der Wüste begegnen sie einem mysteriösen einheimischen Paar, und plötzlich ist das Geld mitsamt den Reisepässen weg.
Was tun? Die deutsche Botschaft ist am Wochenende bekanntlich geschlossen, also will das Ehepaar auf eigene Faust zurück nach good old Germany, landet aber auf einer der überfüllten Nussschalen im Mittelmeer, auf der eigentlich nur afrikanische Boat People ums Überleben kämpfen.
Gerade waren sie noch mehr oder weniger wohlhabende Deutsche, schon sind sie Opfer der migrationspolitischen Vogel-Strauß-Politik Europas. Auch sie könnten gerettet werden, dummerweise trifft ihr Flüchtlingsboot aber auf ein Schiff der deutschen Kriegsmarine und eine Fregattenkapitänin, die den Menschen im kenternden Boot nicht helfen darf, auch wenn sie beim Blick durchs Fernrohr feststellt: Oh Gott, diese «zwei Menschen, weiß wie Weißbrot», könnten ja meine Eltern sein. Eigentlich leben die in Bonn-Beuel, aber man hat ...
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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Jürgen Berger
Eine Erbauungsliteratin war Sibylle Berg ja noch nie. Aber gemessen an ihrem jüngsten Roman «GRM» – Untertitel: «Brainfuck» – nehmen sich ihre illusionsfrei vor sich hin sarkastelnden Theaterfiguren der letzten Jahre geradezu philanthropisch aus.
«GRM» spielt in einem düsteren Großbritannien nach dem Brexit und ist auch ansonsten eine Art Gesellschaftsreport aus...
«Ich bin’s», hört man Anita Vulesicas Stimme zunächst aus dem Dunkel, «die mit den zwei Stimmlagen.» Klingt gut – stimmt aber nicht. Tatsächlich sind es mindestens zweihundert Facetten, in denen die Schauspielerin hier mit ureigenem Witz ihre Lebensbetrachtungen in die Karrierestationen des Popstars Madonna hinein verschachtelt. Der Soloabend «Mother», den Vulesica...
Ein dicker, eiserner Haken in einer uralten Holzwand. Eine Handbreit daneben, gerahmt, ein altersfleckiger Stich: Trotzkopf Napoleon mit verschränkten Armen. Oder: Blick in einen alten Kleiderschrank, Biedermeier vermutlich, sorgsam ausgekleidet mit schwarz-weißem Schrankpapier. An den Innenseiten der Türen hängen, farblich sortiert, prächtige Seiden-Kravatten, auf...
