Momentaufnahmen des Scheiterns
Das Thema des Stücks ist letztendlich das Scheitern, Momente des Scheiterns groß aufgenommen.» So umreißt Roland Schimmelpfennig den Inhalt seines 2002 von Jürgen Gosch am Hamburger Schauspielhaus uraufgeführten Stückes «Vorher/ Nachher». In 51 kurze Auftritte unterteilt, ist das Drama des gefragten mitteljungen Dramatikers ein Szenenkaleidoskop, das mehr als dreißig Figuren in ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft skizziert.
Die Figuren stecken in Entscheidungen, Veränderungen, Momentaufnahmen – erleben und begegnen sich vor oder nach einem für sie signifikanten Ereignis.
Sie sind Stereotype allesamt, sind Männer oder Frauen «um die Dreißig», sind Tänzer, Nonnen, Handwerker, sind «aus der Bar», «aus Russland» oder einer «anderen Stadt». Sie streifen durch ein Hotel, einen unbestimmten Ort. Einige der Figuren begegnen sich wieder, manche verschwinden spurlos irgendwo, andere bleiben einfach allein. Keine leichte Aufgabe, aus dieser Bestandsaufnahme, aus diesem Menschensammelsurium, in dem die distanzierte dritte Person als Erzählform überwiegt, eine schlüssige Inszenierung zu bauen.
Das Bühnenbild, das Sonja Kloevekorn und Eveline Havertz für Daniel Karaseks Kieler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Halb elf am Nürnberger Hauptbahnhof hatten wir ausgemacht. Der Schauspieler Andreas Uhse steht vor dem «Info-Center», und von weitem meint man, diese Haltung zu kennen: ein wenig verloren und irgendwie fehl am Platz, allein unter Unzähligen. Der kahle Schädel zuckt immer mal ruckartig wie der Kopf eines aufmerksamen Vogels, die spitze Nase sticht in die Luft, die...
Auf der Bühne herrscht beträchtlicher Verkehr. Mit Graffiti übersäte Kübelwagen rumpeln ihre Runden, spacke Superhelden in prallengen Kostümen schwirren durchs Terrain, viel Volk und Sänger purzeln die Treppen des Bühnenbildes rauf und runter. Unten am Bühnenrand parken trojanische Pferde, und die Nerven des Publikums werden von Maschinenpistolengarben zerrüttet,...
Vorbemerkung
Ich kann mir kein geeigneteres Forum als dieses Bonner Festival vorstellen, um über alte und neue Blicke des Westens auf Indien nachzudenken. Schließlich begann Europa in Bonn, auch bekannt als Benares am Rhein, ein systematisches Wissen über Indien zu entwickeln. Und zur Biennale sind Hunderte von Indern nach Bonn gereist, um die Vielfalt und...
