Metaphysische Bastelstube
Mit seinem neuen Stück, einem Auftragswerk des Chemnitzer Theaters, knüpft Wyrypajew an die Konstellationen aus «Illusionen» (siehe TH 12/2011) an. Wieder stehen zwei Ehepaare, diesmal erfolgreiche Mittdreißiger, im Fokus und reflektieren über Leben, Wahrheit und die Fragen von Spiritualität, Religion und Glauben. Wyrypajews Ausgangpunkt ist eine Verschiebung von Identität und Fremdwahrnehmung: Wie die Figuren einander nennen und wie sie im Stücktext ausgewiesen sind, passt nicht zusammen.
Es beginnt wie ein klassisches well-made play.
Auf der Bühne stehen Sarah/Helen (Julia Berke), Robert/Mark (Michael Pempelforth) und Donald/Josef (Sebastian Tessenow). Zunächst steht die Frage im Raum, wen Markus, der Bruder Roberts, am letzten Montag besucht habe. Sowohl seine Frau Sarah als auch Freund Donald beharren darauf, sie hätten den Bruder bei sich zu Hause empfangen. Über Telefon wird die Spurensuche aufgenommen, doch schon bald bricht sich tiefe Verunsicherung Bahn: «Ich will wissen, was hier vor sich geht.» – «Das ist nicht einfach zu erklären.» Denn erklärt wird tasächlich nichts. Zwar wird offenbar, dass Sarah ein Verhältnis mit einem anderen Mann hat, aber das scheint bereits ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Chemnitz, Seite 62
von Torben Ibs
Diese erwachsenen elternlosen Kinder sieht man oft. Dennis Kellys «Waisen» werden auf deutschen Bühnen seit drei Jahren viel gespielt. Kleine Besetzung, zugespitzte Themen, das Richtige für ein schrumpfendes Milieu, das sein gutes Gewissen daraus bezieht, dass es bereit ist, sich ein schlechtes Gewissen machen zu lassen: die selbstkritischen deutschen...
Die junge Frau blickt streng, als sei sie von der Ausländerbehörde. Dann fragt sie, ob man schon mal im Irak gewesen sei und als Journalist Informationen über das Land gesammelt habe. Etwas später drückt Urok Shirjan einen Stempel in einen Pass, und schon nimmt man als Mitglied von «Occupy Baghdad» teil an der künstlerischen und zivilgesellschaftlichen...
Der im März 1938 erfolgte «Anschluss» Österreichs an Deutschland wird stets mit Anführungszeichen geschrieben, weil es sich dabei um einen Nazi-Begriff handelt. Durchgesetzt hat er sich trotzdem. Noch heute, 75 Jahre danach, spricht
niemand von Annexion oder Überfall. Vielleicht, weil «Anschluss» diese gar nicht so feindliche Übernahme dann doch noch am besten...
