Mehr Kampf, mehr Frust, mehr Intensität
Letzte Nacht habe ich nicht geschlafen, weil am Ende meiner Straße so viele Hunde heulten. Am nächsten Morgen heißt es im Radio, dass es 18.000 von ihnen gibt. 18.000 streunende Hunde in einer Stadt. Als ich aus dem Fenster blicke, wühlt jemand in der Mülltonne. Die Tonnen stehen immer offen, auch wenn sie einen Deckel haben. Es ist ein Roma, der wahrscheinlich alte Pappe sammelt, um sie zu trocknen, zu pressen, zu schnüren und wieder zu verkaufen. Achtlos wirft er etliche Gegenstände aus der Tonne, bis er ein dickes Taschenbuch greift.
Anstatt es zu entsorgen, öffnet er es und liest sich fest.
Ich breche auf zum größten Markt der Stadt. Früher hatte er mehr Stände, heute ist er sauberer und teurer. Hier oben, auf dem höchsten Punkt der anderen Stadt auf sieben Hügeln, sieht man den typischen Nebeldunst kaum. Die Cafés sind brechend voll, die Leute sehr arm oder sehr schick, wir könnten auch in Málaga oder in Odessa sein. Oder doch eher in Neapel. Gestern hat es eine Schießerei gegeben, höre ich beim ersten Frischgerösteten des Tages, und Francis Ford Coppola hätte sie nicht besser filmen können. Das war eine echte Mafia-Abrechnung; ein Auto samt Insassen wurde zersiebt, mitten ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Ausland, Seite 4
von Branka Schaller-Fornoff
Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalmacher und Pornograf». Donnerwetter, kann...
Mit 81 Jahren ist Wilfried Minks wieder da angekommen, wo er anfing. Er verbringt seine Zeit vor allem mit Zeichnen und Malen, so wie er es schon mit vierzehn und fünfzehn Jahren tat, nach der Vertreibung aus dem böhmischen Dorf Binai, fünfzig Kilometer nördlich von Prag (und fünfzig Kilometer südlich von Theresienstadt – von dem, was dort vor sich ging, wusste er...
Neulich rief ein Intendant beim polnischen Nachwuchsdramatiker Michal Walczak an. Das Theater wolle seine schwarze Komödie «Elchjagd» spielen. Und man habe auch schon eine gute Idee, das Stück umzuarbeiten. Der Elch sei ja eher der Typus eines einsamen Tieres, «für das Stück wäre ein Tier besser, das sympathischer, familienfreundlicher ist ... Wir könnten aus der...
