Mannheim: Hotel Seitensprung
Da das mit der romantischen Liebe schon immer eine Mogelpackung war, schickt Roland Schimmelpfennig drei Paare ins Rennen, deren libidinöser Seelenhaushalt mit ausgeglüht hinreichend umschrieben ist. Die besten Tage haben sie hinter sich, also versuchen sie ihre Serotoninbilanz mit Seitensprüngen aufzubessern. Sechs Menschen betrügen sich über Kreuz und steigen mit den Partnern der anderen Seitenspringer im gleichen Hotel ab, ohne dass sie voneinander wüssten. Der Zufall meint es gut mit ihnen. Plötzlich aber geht kurz das Licht aus. Geht es wieder an, hat Frau Z.
zwei Köpfe, während Herr A. ohne Mund weiter plappert, das Herz von Herrn Y. brennt, Herr Z. ein toter Fisch ist, Frau A. zu Stein wird und Frau Y. sich wie eine Motte fühlt.
Das haben sie nun von ihrer unchristlichen Treulosigkeit, könnte man sagen, wüsste man nicht, dass «An und Aus» als Auftragswerk für das New National Theatre in Tokio geschrieben wurde. Schimmelpfennig bewegt sich in einem anderen Kulturkreis und hatte außerdem zu bedenken, dass 2011 das Kernkraftwerk in Fukushima ausglühte. Das hinterließ Spuren.
Die plötzlich auftretenden Mutationen der Seitensprungkandidaten wirken wie unnütze Einsprengsel, als ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger
Aachen, Grenzlandtheater
20. O’Neill, Eines langen Tages Reise in die Nacht
R. Ulrich Wiggers
Aalen, Theater der Stadt
16. nach Goethe, Open Werther (U)
R. Jonathan Giele
Altenburg/Gera, TPT
8. nach Baricco, Seide (U)
R. Holk Freytag
30. Schiller, Die Jungfrau von Orleans
R. Christian Schmidt
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
3. nach Fassbinder, Angst essen Seele auf
R....
Aufführungen
Er war der erste, der sich an die ganz, ganz dicken Schmöker getraut hat: Frank Castorf, der seit zwanzig Jahren nicht nur Dostojewski zu langen, langen Theaterabenden kompiliert. Am Münchner Residenztheater hat er sich jetzt Jaroslav Haseks 1000-seitigen Schelmenroman «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» vorgenommen, Länge des Abends...
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich...
