Manische Camp-Fantasien

Seit dem Erfolg von Rob Marshalls «Chicago» sind Musicals wieder en vogue in Hollywood – «Rent» und «The Producers» kommen jetzt auch in Deutschland in die Kinos

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In Deutschland haben Musicals eine üble Reputation. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an den Wahnsinn der Neunziger, als Busladungen voll Touristen sich in Hamburg und Düssel­dorf schaurige «Cats»-Inszenierungen anschauten und Andrew Lloyd Webber mehr Schaden an der kulturellen Identität der Deutschen anrichtete als alle Zonen-Gabi-Poster und die Popband Ace of Base zusammen?

In Amerika dagegen, ob in Hollywood oder auf dem Broadway, wuss­te man eine gute Musik-Revue mit farben­prächtigem Kitsch und leuchtenden Stars schon immer zu schätzen.

Selbst die Liebhaber von Oper, Tanz und Avant­gardetheater können fröhlich bei Songs aus «The Sound of Music» oder «Cabaret» mitsummen. Das hat mit der reichen Tradition des Genres zu tun und auch mit der Tatsache, dass viele gut gemachte Broadway-Musicals mehr Esprit versprühen als die übliche Lloyd-Webber-Nummer. Aber vor allem ist in Amerika, wie Susan Sontag einmal in ihren berühmten «Notes on Camp» beschrieb, eine ästhetische Sensibilität verbreitet, die es ermöglicht, Kitsch mit­unter als guten Kitsch, das heißt als «Camp» zu genießen. Mit der Bereitschaft, den Mainstream auch mal gegen den Strich zu lesen, gibt man sich gerne gezielt ...

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Theater heute Februar 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 62
von Daniel Schreiber

Vergriffen
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