«Man muss die Dinge mit heiligem Ernst vortragen»
Till Briegleb Clemens Sienknecht, wie kommt man als Regisseur und Musiker auf die Idee, einen traurigen Roman über ein ungelebtes Leben wie Fontanes «Effi Briest» mit einer lustigen Radioshow aus den Siebzigern zu verbandeln?
Clemens Sienknecht Als ich Fontanes Roman las, stellte ich mir vor, dass die Geschichte von einer Schallplatte erzählt wird. Innstetten tritt auf, die Platte hängt, Innstetten muss wieder abgehen. Daraus entwickelte sich die Idee, das ganze Stück vom Plattenspieler leiten zu lassen.
Es gibt ein Hörbuch von Gert Westphal, das wir als Vinyl-Platte einsetzen. Das setzte viele Fantasien frei.
TB Es ist die erste klassische Textvorlage, die Sie inszenieren.
Sienknecht Ich finde es zunehmend schwierig, Abende zu entwickeln, wo es am Anfang nichts gibt außer einem riesigen Vakuum, das es zu füllen gilt. Deswegen wollte ich eine Grundlage haben, einen roten Faden, an dem ich mich entlanghangeln kann. Natürlich versehen mit dem Untertitel «Allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie», um im Zweifelsfall doch etwas völlig anderes machen zu können. Dass wir dann tatsächlich die Geschichte so ausführlich erzählen, hätte ich anfangs nicht gedacht.
TB Befürchteten ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 34
von Till Briegleb
Unter Tage. Ein Mann allein im Dunkel. Nur das Grubenlicht am Helm leuchtet. Man hört seinen schweren Atem. Der Presslufthammer bohrt ins Gestein. Bald wird jede Menge Kohle abgesprengt sein.
Schnitt: Ein Junge kramt im Badezimmerschränkchen zwischen Lux-Seife und Echt Kölnisch Wasser. Er trägt eine kurze Lederhose mit Edelweiß-Emblem. Es ist Sommer. Draußen hängt...
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