Der Wolf im Schafspelz
Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot, Jewgeni, der jedes Gefühl verweigernde Nihilist, ein selbsternannter Ausnahmemensch, den er nicht begriff und der ihn verachtete.
Aber «irgend etwas stimmt nicht, wenn ein Vater seinen Sohn begräbt, nicht? Eine Störung der richtigen Ordnung der Dinge, nicht? So etwas dürfte nicht passieren, nicht?» Verklammert in die Hände seines Gegenübers, Arkadij, der beste Freund des toten Sohns, ringt er um Fassung. Dann kommt seine Frau, die er selbst adressiert, wenn sie gar nicht da ist – «Hab ich nicht Recht, mein Schatz?» –, sie ist im Schmerz versteinert und er fällt zurück in eine fürsorgliche Munterkeit, hilft ihr in den Stuhl und greift mit seinen langen Armen nach diesem klitzekleinen Instrument, der Ukulele, beugt den langen Rücken, bis er auf Kopfhöhe mit ihr ist, und beginnt zu singen, so zögernd und stockend und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 29
von Barbara Burckhardt
Erstens: W-Fragen», eröffnet der engagierte Pädagoge Stefan in Yael Ronens Stückentwicklung «The Situation» seinen Abendkurs «Deutsch als Fremdsprache» und federt motivationsunterstützend in den Knien nach. Dann wendet er sich erwartungsvoll an die israelische Kursteilnehmerin Noa: «Wer bist du?» Noa zeigt sich hoch motiviert: In einem schwer avantgardeverdächtigen...
Möchte man Tschechow inszenieren, kommt man nicht um die Frage herum, wie man Langeweile zeigt, ohne selbst langweilig zu werden. «Iwanow» hat schließlich einen Helden im Zentrum, der noch wehleidiger und passiver ist als die vielen anderen Tschechow-Figuren, die sich als überflüssige Menschen in der Provinz herumplagen. Ist das doch noch tragisch oder schon wieder...
Sterben ist ein Ende ohne Pointe. Aber manch Lebensfrohen macht das Ausweglose auch trotzig, Ragnar Kjartansson zum Beispiel. Der isländische Musiker, Künstler und Inszenator zeigt es dem Tod mal so richtig mit seiner Bauchschuss-Sinfonie «Krieg», damit wenigstens die im Leben Zurückgebliebenen was zu schmunzeln haben. Sein zweiter Abend an der Volksbühne knüpft da...
