Der Wolf im Schafspelz

Seit 27 Jahren kann man Bernd Stempel am Deutschen Theater in Berlin nicht übersehen. Trotzdem ist dies das erste Porträt über ihn – eine Geschichte aus dem Mittelfeld.

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Es ist dieser Moment in Daniela Löffners angstfrei emotionaler Inszenierung von Brian Friels Turgenjew-Dramatisierung «Väter und Söhne», wenn tatsächlich jeder Widerstand bricht. Der pensionierte Militärarzt Wassilij Iwanowitsch Bazarow, ein großer Mann, der sich sehr klein fühlt und das hinter vielen Worten zu verbergen sucht, ist verstummt. Sein Sohn ist tot, Jewgeni, der jedes Gefühl verweigernde Nihilist, ein selbsternannter Ausnahmemensch, den er nicht begriff und der ihn verachtete.

Aber «irgend etwas stimmt nicht, wenn ein Vater seinen Sohn begräbt, nicht? Eine Störung der richtigen Ordnung der Dinge, nicht? So etwas dürfte nicht passieren, nicht?» Verklammert in die Hände seines Gegenübers, Arkadij, der beste Freund des toten Sohns, ringt er um Fassung. Dann kommt seine Frau, die er selbst adressiert, wenn sie gar nicht da ist – «Hab ich nicht Recht, mein Schatz?» –, sie ist im Schmerz versteinert und er fällt zurück in eine fürsorgliche Munter­keit, hilft ihr in den Stuhl und greift mit seinen langen Armen nach diesem klitzekleinen Instrument, der Ukulele, beugt den langen Rücken, bis er auf Kopfhöhe mit ihr ist, und beginnt zu singen, so zögernd und stockend und ...

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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 29
von Barbara Burckhardt

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