London: Welt aus Liebe und Wahnsinn
Alle paar Jahre unkt es, Londons kommerzieller Theatersektor sei in der Krise. Tatsächlich aber ist dieser merkwürdige Mikrokosmos um Shaftesbury Avenue erstaunlich stabile Einkommensquelle für seine Produzenten und gar nicht so unwichtiger Faktor in der Inselökonomie. In der Masse der West-End-Musicals und Erfolgstransfer-Stücke aus dem subventionierten Sektor gibt es nun wohl einen offiziellen neuen Trend: Ältere Herren, die sich nach Aufgabe ihrer Intendanzen oder Filmregien langweilen, gründen Companies und ziehen mit einem Haufen Stars im Schlepptau für eine Spielzeit ins West End.
Ex-National Theatre Chef Trevor Nunn war der Erste mit einer Residenz im Haymarket Theatre, letztes Jahr nistete sich Michael Grandage, langjähriger Leiter des Donmar Warehouse, mit seiner Michael Grandage Company um die Ecke ein, dieses Jahr folgte Kenneth Branagh mit – genau – der Kenneth Branagh Company. In Eigen-Branding-Initiative spielt er auch munter selber mit. Das Geschäftsmodell von Nunn, Grandage, Branagh: große Namen, sichere Stücke, experimentfreie Inszenierungen gleich finanzieller Erfolg. Den Zuschauern schlägt das Herz nicht höher, weil sie in ihren Sehgewohnheiten oder inhaltlich ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Patricia Benecke
Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.
Ein Katarakt von rasenden Bildern mit...
Aufführungen
Er war der erste, der sich an die ganz, ganz dicken Schmöker getraut hat: Frank Castorf, der seit zwanzig Jahren nicht nur Dostojewski zu langen, langen Theaterabenden kompiliert. Am Münchner Residenztheater hat er sich jetzt Jaroslav Haseks 1000-seitigen Schelmenroman «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» vorgenommen, Länge des Abends...
Sieben Uraufführungen sind für die Mülheimer Stücke vom 7. bis 26. Mai eingeladen: Yael Ronens «The Situation» (Gorki Theater Berlin) fasst einen zentralen Konflikt der Flüchtlingskrise – die Kultur-, Macht- und Interessenkonstellation im Nahen Osten aus der Perspektive der Betroffenen. Fritz Katers «Buch» (Münchner Kammerspiele/Schauspiel Stuttgart) bilanziert 50...
