Liebe ohne Leiden
Hier gibt’s keine Revolution. Als Lessing seine «Emilia Galotti» schrieb, überlegte er noch, ob er die Tötung der Tochter durch den Vater in einen Volksaufstand münden lassen sollte; der antike Historiker Livius hatte es so aufgeschrieben. Erst wollte Lessing die Politik ganz draußen lassen, dann schlich sie sich doch ins Stück hinein: Der Vater rettet die Ehre seiner Tochter, indem er sie umbringt, die Revolution bleibt aus, aber der Adel, die Herrscherschicht, hat die Familie zerstört. Und nun, in Augsburg, gibt es keine Schichten, keinen Adel, aber einige Schurken und viel Tadel.
Alle lieben, alle leiden, am Ende ist Emilia tot, und die Figuren des Stücks treffen sich zur Vernissage ihres Abbilds. Alle sind irgendwie Bürger, also ist es ein bürgerliches Trauerspiel.
Mit seiner «Clavigo»-Auffrischung hatte Jan Philipp Gloger, Jahrgang 1981, den Regiepreis der Bayerischen Theatertage ans Augsburger Stadttheater geholt. Nun nahm er sich den nächsten Klassiker vor, seltsam genug für einen, der unter anderem in Gießen studierte. Aber auch irgendwie folgerichtig, weil Gloger versucht, alte Texte heutig zu machen, ohne sie in der Sprache zu verändern. Gut, in seiner «Emilia» fallen ...
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Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch, das mit ein paar Texten, Dialog- und Originalzitaten die Entstehung des Films beschreibt. Und die tiefere Wahrheit besteht darin, dass dieses liebevollere und aufwändigere Presseheft schließlich als Vorlage für Breloers Film gelten muss.
Denn Thomas Manns Roman wird Breloers Film gerecht nur in der Art, wie die meisten Filme...
Das jüngste Beispiel für den Trend zur Romanadaption ist ein besonders kühnes Unterfangen: Verglichen mit «Doktor Faustus» geht ja sogar «Der Zauberberg» als well-made play durch. Thomas Manns Spätling (1947) ist die fiktive Biografie des deutschen Komponisten Adrian Leverkühn (1885–1940), wobei die Handlung dem Autor hauptsächlich dazu dient, ein ganzes Füllhorn...
Ja, es ist verrückt, wie schnell alles Vergangenheit wird», meint der «Finanzexperte» in der Radio-Talkrunde, bei der man schon langenicht mehr weiß, ob es um den jüngsten Jahrhundertsturm oder die letzte Jahrtausendflut geht, ob gerade ein pazifischer Wirbelsturm die Südstaaten umpflügt, ein osteuropäisches Atomkraftwerk die nächstgelegene Millionenstadt grillt...
