Letzte Blüten vor der Dunkelheit
Jedes Jahr im November blühen die Winter-Astern und die Norén-Inszenierungen als letzter Trost vor der Dunkelheit, meist pünktlich zum Totensonntag. Norén ist ein obsessiver Schriftsteller, er schreibt über seine Obsessionen – Alkoholismus, Asozialität, Krankheit, Tod –, aber seine größte Obsession ist das Schreiben. Über 100 Stücke hat er schon geschrieben, 32 sind davon bisher in Deutschland aufgeführt worden. Da findet sich immer noch eines für eine deutschsprachige Erstaufführung.
In Oberhausen war es das 2003 uraufgeführte Selbstmörder-Requiem «Überwintern», in Köln das 2013 in Stockholm uraufgeführte Gesellschaftspanorama «3.31.93».
Dieser Titel ist eine schlichte Rechenaufgabe: 3 Akte mit je 31 Szenen macht 93 Szenen. Die Struktur ist das Thema, das poröse Geflecht menschlicher Beziehungen. Kein Personenverzeichnis, es gibt nur durch Anfangsbuchstaben schwedischer Vornamen und Altersangaben gekennzeichnete Figuren, die in Kurzszenen meist paarweise auftauchen, wieder verschwinden. Manchmal kann man sie in späteren Szenen wiedererkennen, manchmal lassen sich Beziehungen zwischen den Paaren erkennen. Was die Menschen verbindet, sind vor allem Katastrophen.
Gescheiterte Ehen, ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Gerhard Preußer
Der Prinz hat, nachdem er die Arme zu einer imaginären Umarmung geschlossen hat, seinen Hitz- und Kindskopf in den Sand gesteckt. Dorthin, wo aus einem Erdhaufen der eherne Arm einer gestürzten Siegesgöttin mit Lorbeerkranz hervorragt. Er ist fix und fertig – und wir mit ihm, kaum dass es für die nächsten dreieinhalb Stunden begonnen hat. Da kann Torsten Flassig...
Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die sogenannte Kulturindustrie, sei es durch propagandistisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur...
Alles begann Ende der 1960er in einer Münchner Privatwohnung. George Froscher, bis dato an verschiedenen Stadttheatern als Schauspieler, Tänzer und Regisseur tätig und dessen in höchstem Maße überdrüssig, hatte sie zu seinem Studio umfunktioniert (Namensähnlichkeit mit dem berühmten New Yorker Actors Studio durchaus beabsichtigt, die Zielrichtung eher...
