Lasset uns beten
Am Schluss steht Galilei mit geröteten Augen, geschlagen, apathisch. Für die große Selbstanklage, die Brecht dem Sternenforscher, der vor der Inquisition einknickte, in der letzten Fassung des «Leben des Galilei» beigelegt hat, reicht es nicht mehr. Stattdessen schöpft Galilei sein persönliches Bekenntnis aus jener Szene, in der er den kleinen Mönch zur Astronomie bekehrte: «Und das Schlimmste: Was ich weiß, muss ich weitersagen. Wie ein Liebender, wie ein Betrunkener, wie ein Verräter.» Worte eines Getriebenen, der die Droge Wissenschaft in hoher Dosis kostete.
Doch ach, Worte nur. Den Rausch, von dem sie künden, müssen wir an diesem Abend irgendwie verpasst haben.
Vor gut drei Jahren hat Armin Petras mit Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» – ebenfalls in Dresden und in Koproduktion mit dem Berliner Maxim Gorki Theater – gezeigt, wie man durch einen konsequent persönlichen Zugriff auch mit Schulklassikern allen Gefahren der
Didaktisierung entgeht. Dürrenmatts Geld-für-Mord-Parabel verwandelte er in einen komplexen Kommentar auf ostdeutsche Biografien im Dunstkreis der Staatssicherheit.
Mit dem von den Rechteinhabern notorisch sakrosankt gehaltenen Brecht war eine vergleichbar ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Christian Rakow
«Willkommen hier auf unsrer Insel, die nur zu ihrem Spaß besteht», begrüßen zwei einheimische Animateure, à la Lady Gaga gekleidet, die europäischen Touristen. Eigentlich hätte die Reise für das zerstrittene Lehrerpaar Karl und Karla (Marietta Meguid und Jens Winterstein) ein Urlaub in sonniger Südseeidylle werden sollen. Doch weit gefehlt: «Kein Shoppingcenter,...
Zu dritt warten wir auf den Einlass zur Hölle. Die Hölle, das ist beim dänischen Performancekollektiv Signa eine Mischung aus Dante Alighieris infernalischer Systematik, die das historische und mythologische Weltwissen seiner Zeit widerspiegelt, und einem Themennachtclub, den ein gewisser Herbert Godeux im Gedenken an seine Frau Mama errichtet hat. Vor allem aber...
Eva Behrendt Heike Makatsch, seit drei Jahren stehen Sie regelmäßig im Leipziger Centraltheater als Gast auf der Theaterbühne, unter anderem in der zum TT eingeladenen Inszenierung «Krieg und Frieden». Wer hat Sie dazu überredet – oder wen haben Sie davon überzeugt?
Heike Makatsch Ich wollte tatsächlich schon immer Theater spielen! Aber ich dachte, erst muss mich...
