Krankheit mit Kalkül
Eine spielt hübsch versonnen auf ihrem Xylophon, eine andere hat sich Klamotten in die Klamotten gestopft und hüpft wie ein verbeulter Teddybär über die Bühne. Einer im Anzug bekommt einen leichten epileptischen Anfall. Jemand versucht, einen Mohrenkopf in den Mund zu bugsieren, trifft aber die Stirn. Ein Panoptikum geistig Behinderter, Autisten, Spastiker. Doch irgendwas stimmt nicht damit, wie die Dinge nicht stimmen. Irgendwas ist nicht normal an dieser Anomalität. Das kommt so wenig von innen heraus, das sendet so weit. Das will so sehr gefallen.
Das arbeitet so angestrengt, das ist so viel Schauspiel.
Andreas Kriegenburgs Versuch, Lars von Triers Film «Idioten» auf die Studiobühne Schmidtstraße des Frankfurter Schauspiels zu bringen, trifft von Anfang an falsche Töne. Die Suche nach dem «inneren Idioten», von dem immer wieder die Rede ist, gibt es hier nicht. Hier gibt es nur äußerliche Idioten. Effekt und Distanz.
Natürlich ist es auch in von Triers Film eine künstliche Authentizität, die uns in ihren Bann zieht. Ein Trick. Aber mit seiner vorgeblichen Spontaneität, mit seiner technischen Nacktheit erzeugte «Idioten» mehr als die anderen Dogma-Filme eine tiefe Irritation. Je ...
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Ihre Stimme kann komische Sachen machen. Auf dem Tonband unseres Gesprächs ist sie oft sehr leise. Nur wenn sie lacht, wird’s laut. Auf der Bühne aber hat Katja Reinke Stimmen zur Verfügung, die sie wie die Register einer Orgel zieht und überlagert. Fast unheimlich verwischt sie dabei akustisch ihr Alter. Am Telefon hätte man wenig Chancen, Reinke zu verorten. Kann...
Ob es eine Ehrenbezeugung vor Luigi Pirandellos Studenten- und Promotionsjahren in Bonn sein sollte, die David Mouchtar-Samorai veranlasste, das bei uns kaum bekannte Stück des späteren italienischen Nobelpreisträgers von 1919 aufzuführen? «Der Mensch, das Tier und die Tugend», in dem Lüge und Betrug als lebenserhaltende Maßnahmen die Ehre einer Dame retten, ist...
Er ist angekommen. Das lange Theater-Leben des Peter Palitzsch endete, von wo es ausging. Sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße, Berlin Mitte, liegt einige Dutzend Meter entfernt von dem Findling mit dem Namen Bertolt Brecht. Dazwischen das Grab Hegels, dessen idealistische, auf Synthese zielende Dialektik Brecht – und Palitzsch –...
