Die andere Geschichte
Ob es eine Ehrenbezeugung vor Luigi Pirandellos Studenten- und Promotionsjahren in Bonn sein sollte, die David Mouchtar-Samorai veranlasste, das bei uns kaum bekannte Stück des späteren italienischen Nobelpreisträgers von 1919 aufzuführen? «Der Mensch, das Tier und die Tugend», in dem Lüge und Betrug als lebenserhaltende Maßnahmen die Ehre einer Dame retten, ist eine recht possenhafte Trickserei, an der hier eine speziell präparierte Cremetorte gewichtigen Anteil hat.
Der Seitensprung der Kapitänsgattin Perella (Kornelia Lüdorff) mit dem kreuzbraven Professor Unrat Paolino, dem Christian Schneller eine Art von penibel-wilhelminischer Strenge angedeihen lässt, droht sichtbar zu werden. Also muss der nur für eine Nacht heimkehrende, ruppige Ehemann, der längst andernorts seine Anker geworfen hat und heimlich eine zweite Seemannsbraut samt Nachwuchs in Neapel unterhält, animiert werden, seiner Abstinenz zu entsagen und den ihm lästigen ehelichen Pflichten wenigstens noch einmal nachzukommen, damit alles seine Ordnung behält. Wobei weniger die knallbunten Reize der aufgetakelten Ehefrau als ein Apotheker-Mittelchen helfen sollen, das sich im Dessert-Dolce verbirgt.
Die skandalöse ...
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Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...
Ein Drei-Minuten-Auftritt nur: Bernhard Minetti 1989 im Berliner Schiller-Theater als abgründig versoffener Mörder und langjähriger Todeskandidat Bernardin in Niels-Peter Rudolphs Inszenierung von Shakespeares «Maß für Maß»: nacktfüßig und -armig, verbockten, verknautschten, listigen Gesichts mit roter Säufernase, so begegnet er der Zumutung, sich nun endlich...
Wenn sogar das reiche Burgtheater über Geld redet, muss die Lage wirklich ernst sein. Tatsächlich klagt die Burg neuerdings über finanzielle Sorgen: Weil die Subventionen seit zehn Jahren auf hohem Niveau (43,7 Millionen Euro) stagnieren, wird das Budget eng. In der Spielzeit 2003/04 machte das Burgtheater trotz tadelloser Auslastung 833.000 Euro Defizit; der...
