Karneval nach dem Sturm
Nur knapp entging New Orleans dem Schicksal von Atlantis, als vor beinahe sechs Jahren die Dämme brachen und die Flut von Hurricane Katrina die Stadt in den Mississippisümpfen überschwemmte. Bilder von im Superdome zusammengepferchten und im Schlammwasser ertrinkenden Menschen flackerten über Bildschirme gemeinsam mit Nachrichten über den kompletten Zusammenbruch des Notfallsystems der Bundesbehörde. Zwei, drei Monate später schien das größte Chaos überstanden, und die Nation richtete ihr Augenmerk auf andere Desaster.
Doch was bleibt einer Stadt nach einer Katastrophe solchen Ausmaßes, die ganze Bezirke unter Wasser setzte, zahllose Leben forderte, die Wirtschaft lahmlegte und das sozial-politische Gefüge zerrriss? Für den Weg in eine Normalitat ist New Orleans, Wiege des Jazz und Mekka der Performance-Künste, nicht viel mehr geblieben als genau das: Musik, Theater und natürlich Mardi Gras, zwei ekstatische Wochen im März, auf die New Orleans das ganze Jahr hinfiebert.
«How to build a forest?»
Alles tanzt. Musik brüllt aus Lautsprechern. Scharen Kostümierter strecken sich schreiend nach Perlenketten, und meterhohe, kunstvoll dekorierte Paradewagen schieben sich durch die ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Ausland: New Orleans, Seite 32
von Sascha Just
Selten so einen schönen Spaziergang gemacht. Üppige Ahorn-Alleen säumen die Wege, zwischen viel wucherndem Grün verstecken sich übersichtliche zweigeschossige Wohnzeilen aus den 30er Jahren, ein idyllischer Fußballplatz schmiegt sich in eine Senke; hinter einer halbhohen Mauer verschwindet der Verkehrslärm, nur ein bisschen Stacheldraht obendrauf stört die...
Sage mir, wo du wohnst, und ich sage dir, wer du bist. Anno 1959 ist das in etwa das Motto der rechtschaffenen Einwohner von Clybourne Park, einem schmucken Stadtviertel von Chi-
cago, das ausschließlich von Weißen bewohnt wird. Kaum zu glauben, dass Russ und Bev
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man ziehen lassen....
Sechs Hunde, sechs Menschen, da muss man stark sein, um nicht vor der vierbeinigen Authentizitäts-Offensive auf der Bühne zu kapitulieren und als menschlicher Akteur womöglich in der Herrchen/Frauchen-Rolle steckenzubleiben. Für echte Theatertiere kann die unmittelbare Konkurrenz aber auch Ansporn sein, Instinkt und Intellekt mit animalischer Selbstverständlichkeit...
