Die Sympathiefrage
Selten so einen schönen Spaziergang gemacht. Üppige Ahorn-Alleen säumen die Wege, zwischen viel wucherndem Grün verstecken sich übersichtliche zweigeschossige Wohnzeilen aus den 30er Jahren, ein idyllischer Fußballplatz schmiegt sich in eine Senke; hinter einer halbhohen Mauer verschwindet der Verkehrslärm, nur ein bisschen Stacheldraht obendrauf stört die Beschaulichkeit. Die alte Bayern-Kaserne im Münchner Norden, erbaut 1936–1938 und bis 1968 von der US-Army genutzt, wirkt am späten Nachmittag wie ein verschlafenes Wohnviertel mit Öko-Prädikat. Allererste Barackenlage.
Bevor das Gelände einer neuen Bestimmung mit 2.500 Wohneinheiten entgegensieht, die demnächst hier entstehen sollen, werden ein paar Blocks von der Stadt München als Flüchtlingsunterkunft genutzt, und die Münchner Kammerspiele haben die malerische Stadtrandlage ganz in der Nähe vom Seniorenheim Kieferngarten vier Wochen lang als Kulisse für Johan Simons’ site-specific «Perser»-Inszenierung auserkoren. Dabei wurde an alles gedacht und keine Mühe gescheut. Schon drei Stunden vor der Vorstellung ist das Gelände zum Kennenlernen und für Fahrradtouren geöffnet. Unter Sonnenschirmen im Innenhof warten Speisen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Der Schauspieler (und gelegentliche Regisseur) Fritz Schediwy ist am 23. Mai bei einer Lesung aus der Autobiografie «Wilfried Minks. Bühnenbauer» im Foyer des Berliner Schillertheaters zusammengebrochen und starb kurz darauf an einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Geboren am 24. Februar 1943 in Prag, debütierte er 1969 am von Kurt Hübner geleiteten Theater Bremen,...
Beim neuen ZDF-Kulturkanal, seit Anfang Mai digital auf Sendung (also nur für eine begrenzte Anzahl von Zuschauern überhaupt empfangbar), müsste die Ausstellung, die die Deutsche Kinemathek zu «Experimentelles Fernsehen der 60er und 70er Jahre» zusammengetragen hat, tiefe Neidgefühle auslösen. E und U, das der Kulturkanal als mannshohe Großbuchstaben...
Ghorban Moinzadeh ist Schauspieler. Er kommt aus dem Iran und hat dort, als es die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch erlaubten, sogar Brecht gespielt. Das ist lange, sehr lange her. Über 20 Jahre, die er nun schon in Bruchsal verbracht hat. Hier ist er nach seiner Flucht aus der Heimat auch wieder beim Theater gelandet, an der Badischen...
