Kampf den Erzählsträngen
Ka schlägt den Kragen hoch, denn es ist kalt in Kars, am Ostrand der Türkei. Das ist kein Ägäishoteldorf, das ist Anatolien. Es schneit in Kars. Und man hängt sich auf in Kars. Oder steckt den Kopf in den Gasherd. Reihenweise bringen sich unglückliche Töchter um. Außerdem stehen Wahlen an. Und dazu dieser Kopftuchstreit. Wer sein Haar verhüllt, wer sich kleidet, wie es den Islamisten und den konservativen Kurden, aber nicht dem Staat gefällt, kann seinen Studienplatz vergessen. Äußerst rätselhaft, diese Gegend und ihre Menschen. Sehr widersprüchlich.
Etwa so fassbar wie der Türk-Pop-Soundtrack und der Haushalts-Elektro-Trödelshop, mit dem Bühnenbildnerin Sabine Kohlstedt und Hausregisseurin Sandra Strunz im Freiburger Kleinen Haus die Türkei andeuten.
Ka ist der Fremde in Kars. Er will berichten, behauptet er, für eine deutsche Zeitung. Nun ja. In Wahrheit will Ka (Thomas Mehlhorn) vor allem mit der hübschen Ipek (Rebecca Klingenberg) ins Bett steigen, einer Bekannten aus Studententagen. Die wäre ja nicht abgeneigt. Das Hindernis heisst Turgut Bey (Ullo von Peinen), ein enttäuschter Kommunist und Ipeks Vater. Solange die Straßen vereist sind, verlässt er das Haus nicht. Die Straßen ...
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Clemens Meyer ist als Dichter mit Bierflasche in die jüngste Feuilletongeschichte eingegangen. Als der 1977 in Halle geborene Leipziger im März den Buchpreis der Messestadt erhielt, wurde er just in dem Moment fotografiert, als er im Siegestaumel die Pulle hochriss – die authentische Siegerpose des Kerls von der Straße, der sich längst mit Schmalzlocke, Brille und...
