Facetten des Müßiggangs
Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu viel Respekt vor dem zartgliedrig melancholischen Text ist Claudia Bauers Sache nicht; sie leistet sich eine frech-aggressive Attacke gegen verordnete Langeweile, gegen Müßiggang als Folge erzwungener Untätigkeit.
Ein junger Mann mitten im Zuschauerblock mault mürrisch vor sich hin, als eine sanfte Frauenstimme aus dem Off Fragen nach dem Sinn des Lebens stellt, und wird dafür von seinem Nebenmann gemaßregelt: Prinz Leonce (Jonas Hien) und Staatssekretär (Jörg Lichtensein) im exponierenden Clinch. Letzterer blieb von Büchners Staatsrat als einziger übrig und bewährt sich als wegweisender Repräsentant der Marktwirtschaft. Später wird er als sozialpädagogisch ambitionierter Berater eine verschüchterte Dame – nicht ohne Mühe gerade noch als mitspielende Kollegin auszumachen – aus dem Publikum holen und ihr mit angemessener ...
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David checkt seine Mails. Das bleiche Licht des Bildschirms färbt sein Gesicht gespenstisch. Und das nicht von ungefähr, denn David (Andrea Bettini) gehört zur Gattung der Untoten, Untergruppe: einsamer Mann Mitte 40, im Geschäftsleben erfolglos, im Gefühlsleben erkaltet. Mit Liegestütz und Sit-ups beweist er sich, dass noch Energie in ihm steckt. Nebenher...
Das Jahr 2175 wird niemand herbeisehnen, jedenfalls wenn es nach Anja Hilling geht. Ihr Science-Fiction-Szenario entwirft eine Welt nach der Klimakatastrophe, in der sich keiner ungestraft der frischen Luft aussetzt und jeder Sonnenanbeter bei lebendigem Leib gegrillt würde. Stattdessen behilft man sich mit bescheidenen Innenwelten: Eine Spezialfirma bietet...
Am Vorabend seines Todes habe ich ihn zwischen vielen Menschen auf einer Premierenfeier getroffen und in sein durchwachtes Gesicht geschaut. Er fragte, was der Sinn des Lebens sei. «Wir brauchen Dich, Laurent!» – «Ist das der Sinn des Lebens, dass man gebraucht wird?», war seine Antwort. Je t'ai besoin – diesen Satz hat er selber einmal vertont, für den zweiten...
