I’ve got my blood
Emilia Galotti hat die Normen der bürgerlichen Moral so verinnerlicht, dass sie sich lieber von ihrem Vater erdolchen lässt, als sich den prinzlichen Gefährdungen auszusetzen, für die sie ziemlich anfällig ist. Lieber tot als einem Gefühl nachgeben, das die Familienehre verletzt. Eine Aufforderung zum Ehren(selbst)mord – wo gibt’s denn so was heute noch jenseits anatolischer Großclans?
Regisseurin Thirza Bruncken hat eine klare Antwort, die deutlich ins Gestern weist: zuletzt in den frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, irgendwo an einer häßlichen Straßenecke in München.
Jedenfalls geben die Autos – BMW 2500, Ro 80 – und die Straßenschilder im Hintergrund (Ingolstadt 78 km, Landshut 69 km) einen präzisen ortzeitlichen Hinweis. Also Fassbinder-Land, Sperr-Land, frühes Kroetz-Land: «Zu einer Liebe gehört auch ein Schmerz.» Natürlich auch Rolf-Dieter-Brinkmann-Land, dessen «gedicht» in die Textfassung integriert ist.
Bühnenbildner Christoph Ernst hat mit fassadenhohen schwarzweißen Fototapetenwänden und einer liebevoll rekonstruierten Telefonzelle samt mächtigem Wählscheibenungetüm die angerostete Wirtschaftswunderherrlichkeit auf die Drehscheibe gebannt. «Am Bruchstück» heißt ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Weimar, Seite 60
von Franz Wille
Lange muss Elektra warten, bis sich ihre Racheträume an der eigenen Mutter erfüllen. Karin Henkel hat sich in Zürich die attische Familienmetzelei neu angesehen – und zwar von zwei Seiten!
Peter Fitz war seinen Mitspielern wie Bernhard Minetti oder Otto Sander immer ein großer Zweiter, der den Ersten jederzeit über den Kopf wachsen konnte. Ein Nachruf
Über ein...
Eigentlich ein ganz sympathischer Gedanke: Was die Welt im Innersten zusammenhält ist – nichts. Hinter und zwischen den Menschen, Dingen und Verhältnissen regiert kein verborgener Zusammenhang oder sonstige Bestimmungen höherer oder tieferer Art, sondern der reine Zufall. Und wer doch ein bisschen Großstruktur und Zielrichtung braucht, muss äußerst bescheiden...
Man meint, diese Neumanns schon mal gesehen zu haben. Es war in den 1970er Jahren, als die Familie Klimbim unterwegs war, die deutsche Urmutter aller seriellen Sitcoms. Am frischesten ist die Erinnerung an die Tochter der Chaosfamilie: Ingrid Steeger, die heute von Hartz IV leben soll und zu Protokoll gibt, die Männer hätten sie wie eine Weihnachtsgans...
